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Stephanskraut

Delphinium staphisagria

Das Stephanskraut ist eine zweijährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 100 Zentimetern erreicht. Der Stängel ist zottig-behaart. Die Blätter sind lang gestielt, handförmig fünf- bis siebenlappig und auf beiden Seiten mit sehr kurzen und längeren Haaren dicht besetzt. Im Sommer erscheinen graublaue oder tiefviolette Blüten mit grüner Spitze. Die einzelnen Blütenhüllblätter sind 13 bis 20 mm lang.

Die Art blüht vom Beginn des Frühlings bis zum Spätsommer.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.

Verwendung in der Heilkunde

Im 1. Jahrhundert empfahl Dioscorides, die Samen des Stephanskrauts in Honigmet als starkwirkendes Brechmittel und zum Abziehen von Phlegma-Schleim einzunehmen. Er war sich bewusst, dass die innere Anwendung mit der Gefahr der „Erstickung“ verbunden war. Sein Zeitgenosse Plinius lehnte diese innere Anwendung der Stephanskrautsamen wegen der Nebenwirkungen ab. Dioskorides und Plinius empfahlen jedoch beide, die Samen in Öl äußerlich gegen Läuse und bei juckenden Hautkrankheiten anzuwenden. Schließlich sollten die Samen in Essig gekocht als Mundspülwasser bei Zahnschmerzen und Zahnfleischentzündung hilfreich sein.

Bis ins 19. Jahrhundert wurden diese Anwendungen der Stephanskrautsamen zunehmend auf die Anwendung als Gift gegen Läuse und Krätzmilben eingeschränkt und selbst diese Anwendung wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts aufgegeben.

1819 stellten Jean Louis Lassaigne und H. Feneulle im Laboratorium des Musée d’Histoire naturelle im Pariser Jardin du Roi das Alkaloid Delphinin dar, welches 1921 durch François Magendie kurz beschrieben wurde, wobei er vergeblich anregte, dieses Alkaloid bei den überlieferten Anwendungen der Stephanskrautkörner zu versuchen.

Homöopathie

Das Homöopathikum wird aus dem getrockneten, reifen Samen hergestellt. Die »Stephanskörner« sind giftig, riechen unangenehm und schmecken brennend, scharf und bitter.
Das homöopathische Arzneimittel Delphinium staphisagria wurde von Samuel Hahnemann 1819 als erster geprüft und erscheint im vierten Band seiner »Reinen Arzneimittellehre« und wird sowohl bei akuten Verletzungen (z. B. Schnittverletzung) wie auch bei chronischen Krankheiten (Unterdrückung von Gefühlen) verabreicht.

Protoanemonin wird bei Verletzung der Pflanzen freigesetzt. Bei Kontakt mit der Haut oder Schleimhaut kommt es zu Vergiftungserscheinungen wie Rötung, Juckreiz oder gar Blasenbildung auf der Haut (Hahnenfußdermatitis). Bei der inneren Aufnahme beeinflusst es das Nervensystem sehr stark. Es kommt zu Erbrechen, Durchfall und Schwindelanfällen, aber auch zu Krämpfen und Lähmungserscheinungen u.a.. Auch Tod durch Atemlähmung oder durch Lähmung der Herzmuskulatur ist möglich.

Beim Trocknen der Pflanze wird Protoanemonin in das ungiftige Anemonin übergeführt.
Es ist wirksam gegenüber Pilzen.
Tödliche Dosen an Delphinin haben Atemlähmung und Herzstillstand zur Folge nach klonischen Krämpfen und Paralyse. Tiervergiftungen dieser Art sind nicht selten.

Giftige Pflanzenteileganze Pflanze
Giftigstes PflanzenteilSamen
GiftstoffeAlkaloide, Protoanemonin

Folgesymptome

Erbrechen, Atemlähmung, Herz-Kreislauf-Störungen, Brennen im Mund /Rachenraum, Schweißausbrüche, Kribbeln in Fingern/Zehen, Temperaturerhöhung (Hyperthermie), Atemnot, beschleunigte Atmung, Kribbeln an den Beinen

Symptome bei Hautkontakt

Blasenbildung, Juckreiz, Rötung

Sofortmaßnahmen

sofort Gabe von 10g Kohle-Pulver (Kohle-Pulvis), Erbrechen lassen, Gabe von Natriumsulfat (= Glaubersalz = Schwefelsaures Natron): ein Esslöffel auf 250ml Wasser, Haut-Schleimhautkontakt: Haut mit Wasser spülen, Augenkontakt: Augen mit Spritzflasche ausspülen, Haut-Schleimhautkontakt: Blasen steril abdecken

Standort

Diese Pflanzen-Art wächst an schattigen, trockenen und steinigen Hängen, an Kalkfelsen und in Macchien.

Verbreitung & Vorkommen

Diese Pflanzen-Art wächst an schattigen, trockenen und steinigen Hängen, an Kalkfelsen und in Macchien in Südeuropa, Nordafrika, den Kanaren und in Westasien in Höhenlagen bis 800 Meter.

Inhaltsstoffe

Die Pflanze produziert viele, etwa 1,1 bis 1,3 % Alkaloide. Die Samen enthalten hauptsächlich Delphinin (dem Aconitin ähnlich) und geringere Mengen Staphisin, sowie fettes Öl. Oberirdische Pflanzenbestandteile enthalten weiterhin die Diterpen-Alkaloide Isoatizin und Abkömmlinge des Atisins, sowie Azitin, Neolin und Chasmanin und Derivate z.B. Delphinin (Staphisagrin), Delphisin, Selphinoidin, Staphisagroin und Staphisin.
Protoanemonin (auch Anemonol oder Ranunculol) ist ein Lacton der Hydroxy-penta-2,4-diensäure, welches in unterschiedliche Konzentration als Toxin in allen Hahnenfußgewächsen vorkommt.

Aus derselben Gattung (Delphinium)

Alle Pflanzen der Gattung Delphinium

Aus derselben Familie (Hahnenfußgewächse)

Alle Pflanzen der Familie Hahnenfußgewächse