amerikanische Kermesbeere
Vegetative Merkmale
Die Amerikanische Kermesbeere ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die eine Wuchshöhe von 1 bis 3 Metern erreicht. Ihr kräftiger und gefurchter Stängel wächst aufrecht, die Basis kann etwas verholzen. Die Stängel sind oft purpurfarben und gabelig verzweigt. Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die einfache Blattspreite ist eiförmig-lanzettlich und von matt-grüner Farbe.
Generative Merkmale
Die Blütezeit reicht von Juli bis September. Es werden mehr oder weniger bogig überhängende bis hängende, traubige Blütenstände und Fruchtstände gebildet. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und meist fünfzählig. Die fünf grünlichen bis blass-rosafarbenen Kelchblätter sind breit-eiförmig. Kronblätter fehlen. Es sind meist zehn Staubblätter vorhanden. Die meist zehn Fruchtblätter sind mindestens bis zur halben Länge verwachsen.
Die unreifen Früchte sind abgeplattet kugelig und zehnfach gefurcht, die reifen Früchte sind schwarz-purpurfarbene, kugelige, glatte und ungefurchte Beeren.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 36.
Verwendung in der Heilkunde
In Nordamerika wurde Phytolacca americana auch als Brech- und Abführmittel eingesetzt. Sie wurde gegen Rheuma, andere Autoimmunerkrankungen, Drüsenschwellungen, Ulkus, Bronchitis und Krebs eingesetzt. Die getrockneten Wurzeln und Beeren haben schmerzstillende, entzündungshemmende, antirheumatische, auswurffördernde und narkotisierende Wirkung. Die Anwendung im Bereich der antiviralen Therapie bei Grippe, Polio und HIV-Infektion wird erforscht (Stand 2000).
Homöopathie
In der Homöopathie wird sie als Mittel gegen Mandel- und Gelenksentzündungen und gegen grippale Infekte eingesetzt.
Verwendung in der Küche
Die Beeren wurden früher in Frankreich, Spanien und Portugal zum Färben von Rotwein verwendet. Der rote Fruchtsaft wurde zum Färben von Zuckerfarben, als nicht sehr lichtechter Textilfarbstoff und als wenig permanente Tinte benutzt. Der Farbstoff Betacyan ähnelt dem der Roten Bete. Gekochte junge Schösslinge und Blätter wurden früher ähnlich wie Spargel und Spinat gegessen, und abgekochte Früchte als Küchenzutat verwendet.
Rohe oder nicht fertig gekochte Pflanzenteile sind giftig, da sie stark schleimhautreizende Saponine und giftige Lektine und Mitogene enthalten.
Eine Vergiftung verursacht vor allem Bauchschmerzen, Durchfall und Krämpfe und andere Symptome.
| Giftige Pflanzenteile | ganze Pflanze |
| Giftigstes Pflanzenteil | Beere, Wurzel |
| Giftstoffe | Alkaloide, Lektine (Lectine), Saponine |
Erste Symptome
Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel, Magen-Darmstörungen, Krämpfe, Blutdrucksenkung (Hypotonie)
Folgesymptome
Durchfall, Bauchschmerzen, Schwindel, Atemlähmung, Krämpfe, Blutdruckabfall
Symptome bei Hautkontakt
Erbrechen
Sofortmaßnahmen
sofort Gabe von 10g Kohle-Pulver (Kohle-Pulvis)
Standort
Die Amerikanische Kermesbeere ist eine wärmeliebende, wenig frostharte, aber sonst anspruchslose Pflanze, die in direkter Sonne und im Halbschatten gedeiht.
Verbreitung & Vorkommen
Ihr natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom östlichen Kanada bis zu den südlichen Vereinigten Staaten. In Mitteleuropa kommt sie als Kulturpflanze vor, nur in südlichen Weinbaugebieten auch verwildert. Im südlichen Europa und in Gebieten Asiens ist sie verwildert. In Österreich tritt die Amerikanische Kermesbeere in der Südsteiermark zerstreut und lokal eingebürgert auf. In Wien, Niederösterreich, dem Burgenland, Kärnten, Salzburg und Nordtirol sind nur seltene und unbeständige Vorkommen bekannt.
Inhaltsstoffe
Saponine, Akaloide, giftige Lektine, Mitogene
Phytolaccatoxin, Phytolaccigenin
Aus derselben Gattung (Phytolacca)
Alle Pflanzen der Gattung Phytolacca →
Krautfinder — Pflanzen bestimmen