Die Brechwurzel oder Brechwurz, auch Ruhrwurzel genannt, ist eine Pflanzenart in der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae). Sie ist auch unter ihrem portugiesischen Trivialnamen Ipecacuanha oder spanisch Ipecacuana bekannt. Ihr „Wurzelstock“ (Radix Ipecacuanhae) wird in der Medizin verwendet, um Ipecacuana-Sirup – ein starkes Brechmittel – herzustellen.
Die Brechwurzel wächst als Strauch bis auf Wuchshöhen von etwa 50 Zentimetern. Am Wurzelstock werden viele Wurzeln gebildet, die von einer dicken, geringelten Rinde umgeben sind. Es wird ein einzelner, kurzer Stamm gebildet, der nur im oberen Bereich beblättert ist. Die gegenständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die einfache, ledrige, glatte, dunkelgrüne Blattspreite besitzt einen glatten Rand. An der Basis jeden Blattpaares befinden sich zwei weißliche Nebenblätter.
In endständigen köpfchenförmigen Blütenständen stehen die Blüten zusammen, die von vier großen, eiförmigen Tragblättern umgeben sind. Die zierliche, kleine Blüte ist zwittrig, trichterförmig und besitzt eine weiße Farbe. Staubblätter und Fruchtblätter sind dimorph, das bedeutet, dass bei einigen Blüten die Staubblätter lang sowie die Stempel kurz sind und bei den anderen Blüten ist es umgekehrt. Die erst purpurrote, später blauschwarze Steinfrucht ist fleischig.
In Europa erstmals bekanntgemacht wurde die Ipecacuanha-Wurzel Ende des 16. Jahrhunderts durch einen portugiesischen Jesuiten, der die Brechwurz in Brasilien entdeckt hatte.[7] 1648 wurde die Brechwurz von Willem Piso und Georg Marggraf genauer beschrieben und als Mittel gegen die Ruhr gerühmt.[8] 1672 wurden die ersten Proben durch den Arzt Legras nach Paris gebracht und nach 1680 durch Jean Adrien Helvétius erfolgreich als Geheimmittel gegen blutigen Durchfall verordnet. Nachdem auch der französische König durch dieses Mittel geheilt wurde, eröffnete Helvétius 1688 den Namen des Geheimmittels und erhielt dafür eine Belohnung von 1000 Louisdor.[9][10]
Das Artepitheton ipecacuanha und die Trivialnamen stammen aus der Tupi-Sprache, in der i-pe-kaa-guéne so viel bedeutet wie „Pflanze vom Wegesrand, die krank macht“.[6]
Weitere Trivialnamen sind unter anderem: „Kolumbianische Brechwurzel“ (Cartagena- oder Panama-Ware), „Brasilianische Brechwurzel“ (Rio- oder Mato-Grosso-Ware). Weitere Bezeichnungen aus der Umgangssprache lauten „Ipecac“ oder „Brasilianische Wurzel“.[11]
Verwendung in der Heilkunde
In der Medizin wird der „Wurzelstock“ verwendet, der sich einige wenige Male verzweigt. Auf dem Markt werden verschiedene Sorten angeboten (grau, rot, braun), die von derselben Art stammen. Unterschiede im Aussehen gehen auf das Alter und die Bewässerung zurück.
Jean Adrien Helvétius (1661–1727) wandte die Droge bereits 1680 bei Dysenterie (Durchfall, Ruhr)an. Da laut Theodor Husemann die Wirksamkeit nur bei tropischer Dysenterie vorliegt, wurde sie danach als Emetikum verwendet. Als schließlich das Apomorphin entdeckt wurde, das eine höhere emetische Wirksamkeit zeigt, ersetzte es die Brechwurzel. Ipecacuana ist sehr giftig und kann zu blutigen Durchfällen und Krämpfen bis zum Schock bzw. Koma führen. Es enthält die Alkaloide Emetin und Cephaelin; aus der Brechwurzel bereitete Medikamente sind deshalb in Deutschland verschreibungspflichtig.
Ipecacuanha wurde danach noch als Expektorans verwendet. Das enthaltene Emetin wurde 1817 von Pierre-Joseph Pelletier und François Magendie isoliert und T. Gordonoff zeigte mittels Röntgenkontrastmittel in der Trachea die Unterschiede zwischen der sekretomotorischen und sekreotolytischen Expektoranswirkung. Als Darreichungsform wurde ein Sirup gewählt, z. B. der Brechwurzelsirup (Sirupus Ipecacuanhae) aus der 6. Ausgabe des deutschen Arzneibuchs (DAB 6).
| Giftstoffe | Alkaloide |
Folgesymptome
Durchfall, Krämpfe, Schock, Koma
Standort
tropische Tieflandregenwälder
Verbreitung & Vorkommen
Die Brechwurzel kommt in den tropischen Tieflandregenwäldern Mittel- und Südamerikas von Nicaragua bis Brasilien vor. Sie wächst langsam, so dass sie für eine Plantagenkultur eigentlich nicht geeignet ist. Gelegentlich ist sie jedoch in Südamerika, aber auch in Indien in Kultur genommen worden. Fundorte gibt es in Costa Rica, im südöstlichen Nicaragua, Panama, Kolumbien sowie in Ecuador (nur in Napo) und in Brasilien.
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