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Wasserschierling

Cicuta virosa L.
Heilpflanze Giftpflanze Giftig ⚠️ 3

Der ausdauernde und stark giftige Wasserschierling (Cicuta virosa) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Die Pflanze soll von einigen Menschen als übelriechend empfunden werden. Der sommergrüne Wasserschierling überdauert den Winter in der schützenden Laubschicht des Bodens. Seine oft vormännlichen Blüten werden von Insekten bestäubt, seine schwimmfähigen Früchte durch das Wasser ausgebreitet.Der Wasserschierling kann bis zu 1,50 m groß werden und besitzt eine knollenartig verdickte Rhizomknolle, die hohl ist und durch Querwände gekammert erscheint. Solche Luftkammern dienen als Anpassung an den sauerstoffarmen, schlammigen Untergrund. Seine Zellen weisen 11 oder 22 Chromosomen auf. Er bildet zwei- und dreifach gefiederte Blätter aus, deren Fiederabschnitte lineal lanzettlich geformt und scharf gesägt sind. Die Einzelblüten stehen in einer 10- bis 20-strahligen Doppeldolde. Die Hüllblätter der Dolde fehlen. Die einzelnen Döldchen sind reichblütig und weisen zahlreiche Hüllchenblätter auf. Die Früchte sind nur etwa 2 mm breit, fast kugelig geformt und charakteristisch gerippt.

Verwendung in der Heilkunde

Das Kraut und die Wurzel dienten - humoralpathologisch als warm und trocken angesehen - früher oft als Salbe oder Wickel zur, schon in der Antike belegbaren Schmerzstillung bei Gicht, Rheuma, Drüsenverhärtung, Krämpfen und krampfartigem Husten, in der russischen Volksmedizin auch bei Ischias, Geschwüren und Panaritien. Auch eine Wirkung bei Chorea wurde beobachtet.

Der Wasserschierling ist neben dem Gefleckten Schierling (Conium maculatum) und der Hundspetersilie (Aethusa cynapium) eines der giftigsten Doldengewächse.
Sämtliche Pflanzenbestandteile des Wasserschierling sind stark giftig, insbesondere die durch Luftkammern schwimmfähigen Knollen. Die Pflanze wird mit Sellerieknollen oder Petersilienwurzeln verwechselt. Die süß schmeckende Wurzel ist für Kinder attraktiv. Die tödliche Dosis wird in der Literatur mit 2 - 3 g der Pflanze oder einer Wurzelknolle angegeben. Die ersten Symptome einer Vergiftung treten bereits innerhalb von 20 Minuten auf. Es kommt zu Brennen im Mund- und Rachenbereich, zu Übelkeit und Herzklopfen. Spätere weitere Symptome sind Rauschgefühle, Pupillenerweiterung, Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörungen, Schläfrigkeit und Bewusstseinsstörungen. Der weitere Verlauf ist von epileptoforme Krampfanfällen mit Erbrechen und Schreien geprägt. Der Patient ist während der Krämpfe ohne Bewusstsein. Er hat eine röchelnde Atmung und Schaum vor dem Mund. Diese Krämpfe können bis zu 30 - 120 Sekunden lang anhalten und wiederholen sich in zeitlichen Abständen von ungefähr 10 - 20 Minuten. Der Tod tritt schließlich durch Atemlähmung ein. Die Überlebensprognose einer schweren Vergiftung ist sehr schlecht. Die Letalität liegt bei 50 %.

Giftige Pflanzenteileganze Pflanze
Giftigstes PflanzenteilBlatt oder Stängel, Wurzel oder Knolle
GiftstoffeAlkinole, Polyine

Erste Symptome

Übelkeit, Erbrechen, Herzklopfen, Brennen im Mund /Rachenraum

Folgesymptome

Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörungen, Bewusstlosigkeit, Atemlähmung, Rauschzustand, Schläfrigkeit, Pupillenerweiterung, Krämpfe, Gleichgewichtsstörungen

Sofortmaßnahmen

sofort Gabe von 10g Kohle-Pulver (Kohle-Pulvis)

Standort

Der Wasserschierling ist an feuchten Verlandungsbereichen meso- bis eutropher (mesotroph = mittlerer Nährstoffgehalt, eutroph = hoher Nährstoffgehalt) stehender Gewässer wie Seen, Tümpel oder Gräben zu finden. Weitere Bestände können in feuchten Erlenbruchwäldern auftreten.

Verbreitung & Vorkommen

Derzeit gehen seine Bestände stark zurück, was vor allem an der zunehmenden intensiven Nutzung von Verlandungsbereichen liegt. In den meisten Bundesländern ist der Wasserschierling mittlerweile auf der Roten Liste der Gefäßpflanzen als gefährdet oder stark gefährdet eingestuft. Doch ist er auch im übrigen Europa z. T. stark in seinen Beständen bedroht. Der Wasserschierling kommt nur in Eurasien natürlich in submeridionalen bis borealen Klimazonen vom Flach- bis ins Hügelland vor.

Inhaltsstoffe

Die Giftigkeit wird durch Polyine, insbesondere das Cicutoxin, verursacht. In geringerem Maße auch Cicutol.

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