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Gefleckter Schierling

Conium maculatum L.
Heilpflanze Giftpflanze Giftig ⚠️

Der Gefleckte Schierling (Conium maculatum) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Doldenblütengewächse (Apiaceae).
Er erreicht als zweijährige krautige Wuchshöhen von 80 cm bis zu 2 Metern. Die weißliche Wurzel ist spindelförmig. Ein gutes Erkennungsmerkmal ist ein intensiver Geruch nach Mäuse-Urin. Sein kahler Stängel ist hohl, längs gerippt, blau bereift und im unteren Teil rot gefleckt. Die Laubblätter des Schierlings sind 1 bis 3fach gefiedert. Ein Blatt bildet optisch ein Dreieck.
Der zusammengesetzte doldige Blütenstand weist 8 bis zu 20 etwas behaarte Doldenstrahlen auf mit fünf bis sechs hautrandigen Hüllblättern. Er besitzt an der Basis der Döldchen mehrere Hüllblättchen. Die weißen Blüten-Kronblätter sind verkehrt-herzförmig und schwach ausgerandet mit einem sehr kleinen, spitzen eingeschlagenen Läppchen. Die Frucht ist eiförmig und 2,5 bis 3,5 mm lang, die Teilfrucht im Querschnitt rundlich-fünfeckig mit wellig-gekerbten Hauprippen. Die Chromosomenzahl ist 2n = 22. Die Art blüht von Juni bis September. Die zweijährige krautige Pflanze erreicht Wuchshöhen von bis zu 2 Metern.

Verwendung in der Heilkunde

Madaus zufolge meinen griechische und römische Quellen mit „koneion“ bzw. „cicuta“ wohl den Fleckenschierling. Hippokrates erwähnt ihn als Uterusmittel und bei Darmvorfall. Die Hippokratiker verwandten ihn u. a. bei Augen- und Brustkrankheiten. Antonius Störck empfahl ihn 1760/61 bei Krebs, was zahlreiche Ärzte aufgriffen. So verordneten Hufeland und seine Mitarbeiter das Kraut als Pulver oder den Saft bei Drüsengeschwulsten, Entzündungen und Brustkrebs. Heckers Praktische Arzneimittellehre von 1814 kennt ihn bei skrofulösen Krankheiten, Atrophie und Rachitis, Tuberkulose, Krebs, Verhärtung in Uterus und Brustdrüsen. Demme und Johnstone injizierten Coniin bei Tetanus, Nega bei Lichtscheu und chronischen Bronchitiden, Murawjeff auch bei chronischen Hauterkrankungen. Schulz und Audhousy verwandten Coniinhydrobromid bei Tetanus, Epilepsie und Keuchhusten. Auch bei Tic douloureux, Migräne, Ikterus, Epilepsie, Chorea, Manie, Blepharospasmus und Asthma wurde Conium verwendet. Die Volksmedizin nutze es zum Abstillen. In der Homöopathie ist Conium maculatum ein häufiges Mittel bei langsamer Drüsenverhärtung, oft Prostata- und Brustkrebs nach Stoßtrauma, Schwindel und Sehstörung nach schwerer Verlusterfahrung, auch mit Zwängen und Verwirrtheitszuständen.
Trivialnamen

Für den Gefleckten Schierling bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Bangenkraut, Bitscherling, Blutpeterlein, Blutschierling (Pommern), Butzerling, Düllkrut (Ostfriesland), Echter Schierling, Erdschierling, Gartenschierling, Hundspetersilie, Kalberkern, Krottenpeterling, Mäuseschierling (Schlesien), Mauerschierling (Bern), Pipkraut, Scharmpiepen (Bremen), Scharnpiepen (Bremen), Scharpenpiepen (Elsfleth), Scherline, Scherling (Pommern), Schierling (Siebenbürgen), Schirbingk, Schirling, Schirsing, Teufelspeterling (Schweiz), Tollkörfel, Tollkraut, Wogeltod, Wüterich, Wütscherling, Wuitschirling, Wutscherling, Wutzerling, Ziegendill (Schlesien) und Ziegenkraut (Schweiz).

Homöopathie

Kommission C* (s. Quellen):... Injektionslösung: Schwindel, Gleichgewichts-
störungen, zerebrale Durchblutungsstörungen; Mastodynie; Schmerzen bei Tumorleiden.
Salbe: Mastopathia fibrosa cystica; Schmerzen bei Tumorleiden.

Arzneimittel: Conium maculatum 5% Salbe WELEDA

Der Schierling gehört zu den giftigsten einheimischen Pflanzenarten. Sein in allen Teilen vorhandener Wirkstoff ist das Alkaloid Coniin, das für den Erwachsenen in einer Dosis von 0,5 bis 1 g tödlich ist. Der Gefleckte Schierling enthält zwischen 1,5 und 2,0 % des Alkaloids.

Darüber hinaus kommen auch weitere Alkaloide (hier speziell Coniumalkaloide) wie Conhydrin, Pseudoconhydrin, Conicein und Methylconiin im gefleckten Schierling vor. Besonders stark sind die Gifte in den unreifen Früchten konzentriert. Es wirkt vor allem auf das Nervensystem. Die Vergiftung äußert sich durch Brennen in Mund und Rachen, Brechreiz, Sehstörung, Verlust des Sprech- und Schluckvermögens und Muskelkrämpfe, bis schließlich durch Atemlähmung bei völlig erhaltenem Bewusstsein der Tod eintritt. Vergiftungen können vor allem durch die Verwechslung mit ähnlich aussehenden Doldengewächsen, etwa dem sehr ähnlichen Wiesen-Kerbel oder der Petersilie, auftreten. Der starke Mäusegeruch, die geteilten Blätter und die rötlichen Flecken der zudem bereiften Sprosse sind jedoch ein klares Unterscheidungsmerkmal.

Giftige Pflanzenteileganze Pflanze
Giftigstes Pflanzenteilunreife Frucht, Samen, Blatt oder Stängel
GiftstoffeAlkaloide

Erste Symptome

Übelkeit, Erbrechen, Unruhe / Erregung, Pupillenerweiterung, Brennen im Mund /Rachenraum, Schluckbeschwerden

Folgesymptome

Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel, Bewusstseinsstörungen, Atemlähmung, Verwirrtheit, Herzklopfen, Sehstörungen, Schweißausbrüche, Empfindungsstörungen, Kälteempfindlichkeit, Taubheitsgefühle, Hörstörungen, Krämpfe, erhöhter Speichelfluss, Sprachstörungen, Schluckbeschwerden, Lähmung der Zunge, Lähmung der Extremitätenmuskulatur, epileptische Krämpfe, neurologische Symptome, allgemeine Schwäche

Symptome bei Hautkontakt

Augenreizung, Blasenbildung, Hautreizung, Rötung, Schleimhautreizung, Übelkeit, Brennen auf der Haut, Unruhe / Erregung

Sofortmaßnahmen

sofort Gabe von 10g Kohle-Pulver (Kohle-Pulvis), Erbrechen lassen

Standort

Der Gefleckte Schierling findet sich auf typischen Ruderalflächen wie Schuttplätzen oder Brachen. Er bevorzugt tiefgründigere nahrhafte Lehmböden und gilt als Stickstoffanzeiger. Wegen zahlreicher Todesfälle beim Nutzvieh durch Schierling im Grünfutter wurden Conium-Vorkommen im Freiland durch Landwirte vielerorts gezielt eliminiert.

Verbreitung & Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet des Gefleckten Schierlings umfasst Europa, Asien und Nordafrika, begrenzt etwa durch die Kanarischen Inseln, Algerien, Norwegen, Finnland, Altai, Baikalgebiet, Hindukusch, Iran und Äthiopien. Er kommt darüber hinaus auch verschleppt und eingebürgert vor in Nord- und Südamerika sowie in Neuseeland.

Inhaltsstoffe

Sein in allen Teilen vorhandener Wirkstoff ist das Alkaloid Coniin, das für den Erwachsenen in einer Dosis von 0,5 bis 1 g tödlich ist. Darüber hinaus kommen auch weitere Alkaloide wie Conhydrin, Pseudoconhydrin, Conicein und Methylconiin im gefleckten Schierling vor. Besonders stark sind die Gifte in den unreifen Früchten konzentriert.

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