Zymbelkraut
Das Zimbelkraut ist eine mehrjährige, krautige Pflanze mit fädigen, bis zu 60 cm langen, kletternden oder hängenden Stängeln. Die herzförmigen Laubblätter sind unterseits meist rötlich gefärbt. Die zygomorphen Blüten sind gespornt und meist hellviolett.
Das Mauer-Zimbelkraut ist ein ausdauernder Hemikryptophyt bzw. ein krautiger Chamaephyt.
Die Blüten sind kleine homogame „Maskenblumen“ mit Kronblattsporn. Die gelben Blütenmale außen auf der Unterlippe der Blüte wirken als Staubbeutelattrappen. Die Blüten wenden sich zum Licht (sie sind positiv phototrop). Bestäuber sind Bienen und Schwebfliegen. Auch Selbstbestäubung in den Blütenknospen kurzer, sich in die Erde einbohrender Seitenzweige kommt vor (Kleistogamie).
Nach der Befruchtung wächst der Fruchtstiel heran und die kleinen Porenkapseln springen mit 3 Klappen auf, um die Samen freizusetzen. Es bleibt aber der letzte Samen mit der Frucht fest verbunden, die schließlich weg vom Licht und damit beispielsweise in Mauerspalten hinein wächst (negativ phototrop). So erhalten die Samen mit großer Sicherheit ein günstiges Keimbett. Zimbelkraut ist damit das klassische Lehrbuchbeispiel für Phototropismus. Die Art ist ein Selbstaussäer, ein Dunkelkeimer und ein Gartenflüchter. Fruchtreife: August bis September.
Der Schriftsteller Heinrich Seidel beschreibt in der Skizze „Linaria cymbalaria“, wie er ab 1890 die Pflanze in Berlin „ansalbte“.[1]
In dem Gedichtszyklus "Die Blumen und das Leben" schreibt Ludwig Bechstein (1801-1860) über das Zimbelkraut: "Niedliche Pflanze, du kleidest der alten Ruine Gemäuer, rankend hinab und hinauf blühest du einsam für dich. Sey der Erinnerung Bild, die, der Einsamkeit traute Genossin, oft des vergangenen Glücks sinkendes Luftschloss, umgrünt."
Verwendung in der Heilkunde
Die erste Erwähnung findet diese Pflanze in den Kräuterbüchern von Lonicer (1582) und Matthiolus (1586), wo sie auch als Heilpflanze beschrieben wird. Die Bezeichnung 'Zymbalkraut' wird erstmals von Zwinger (1696) verwendet. Die therapeutischen Anwendungsgebiete für diese Pflanze waren sehr unterschiedlich, doch scheinen die Hauptindikationen Wunden, Entzündungen verschiedenster Art und Frauenleiden gewesen zu sein. Hauptinhaltsstoffe sind Iridoide.
Standort
Diese Pflanzenart stammt ursprünglich aus dem Mittelmeergebiet. Ursprüngliche Standorte waren Felsen der Gebirge Norditaliens und der nördlichen Adria. Das Zimbelkraut wurde etwa im 16. Jahrhundert in Mitteleuropa als Zier- und Heilpflanze eingebürgert (angesalbt) und ist heute weltweit an Felsen, aber vor allem in Mauerritzen zu finden.
Verbreitung & Vorkommen
Das Zimbelkraut bevorzugt warme, aber halbschattige bis sonnige, etwas feuchte Mauern und Mauerritzen.
Nach Ellenberg ist es eine Halblichtpflanze, ein Wärmezeiger, subozeanisch verbreitet, mäßig stickstoffreiche Standorte bevorzugend und eine Klassencharakterart Wärmeliebender Mauer-Kraut-Gesellschaften (Parietarietea, Parietarietalia judaicae).
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