Gottes-Gnadenkraut - Gratiola officinalis

Familie: Plantaginaceae
Steckbrief | Systematik
Kategorie: Heilpflanze Giftpflanze

<b>Gottes-Gnadenkraut - <i>Gratiola officinalis</i></b>
Gottes-Gnadenkraut - Gratiola officinalis
Bildquelle: Wikipedia User Llez; Bildlizenz: CC BY-SA 3.0;
Wiki Commons Bildbeschreibung: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gratiola_officinalis_002.JPG


Gratiola: Deminutiv zu lat. gratia = Gnade (wg. der Heil­wir­kung); "Gnadenkraut"
officinalis: arzneilich, gebräuchlich

Das Gottes-Gnadeskraut (Gratiola officinalis) ist ein europaweit gefährdetes und im Rückgang begriffenes Wegerichgewächs (Plantaginaceae). Es ist nach der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) besonders geschützt.

Gottes-Gnadenkraut - Gratiola officinalis; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Prof. Dr. Otto Wilhelm Thome Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany">Prof. Dr. Otto Wilhelm Thome Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/publicdomain/deed.de" target=_blank title="Public Domain">Public Domain</a>; Gottes-Gnadenkraut - Gratiola officinalis; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Meneerke bloem">Wikipedia User Meneerke bloem</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; <br>Wiki Commons Bildbeschreibung: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gratiola_officinalis02.jpg" target=_blank title="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gratiola_officinalis02.jpg">https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gratiola_officinalis02.jpg</a>Gottes-Gnadenkraut - Gratiola officinalis; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Sporti">Wikipedia User Sporti</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; <br>Wiki Commons Bildbeschreibung: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gratiola_officinalis_PID1565-2.jpg" target=_blank title="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gratiola_officinalis_PID1565-2.jpg">https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gratiola_officinalis_PID1565-2.jpg</a>

Von verschiedenen Autoren wird die Pflanze in die Familie der Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae), der Gratiolaceae oder Veronicaceae gestellt. Nach neueren molekularbiologischen Untersuchungen ist sie zunächst nach der Angiosperm Phylogeny Group (APG) in die Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae) aufgenommen. Die Familienzuordnung ist jedoch noch nicht abschließend geklärt

Die mehrjährige, krautige Pflanze erreicht Wuchshöhen zwischen 15 und 40, bisweilen 60 Zentimetern. Sie wächst mit kurzen Ausläufern und aufrechten Stängeln. Die Pflanze ist scheinbar kahl. Die Laubblätter erscheinen durch eingesenkte Drüsenhaare punktiert. Die spitzen, schmal-lanzettlichen, ganzrandigen oder entfernt gesägten und hellgrünen Blätter stehen kreuzgegenständig und stängelumfassend am Trieb. Die Stängel sind unten rund und oben fast vierkantig.

Die Blüten erscheinen einzeln in lockeren Trauben in den Blattwinkeln. Sie sind langgestielt. Die blassrosafarbenen bis weißen, zuweilen rötlich geäderten Kronblätter werden 10 bis 18 Millimeter lang. Die Oberlippe ist behaart. Die Kronröhre ist gelb und innen bärtig. Die Frucht ist kugelig und vierkappig aufspringend. Die Kapsel ist tropfenförmig, 5 Millimeter lang und braun. Die Samen werden etwa 6 bis 8 Millimeter lang. Sie sind gitterartig gezeichnet.

Das Gottes-Gnadenkraut ist ein Hemikryptophyt und vermehrt sich als Wurzelkriecher vegetativ. Es bildet lockere Herden. Die Fundgebiete umfassen meist nur wenige Quadratmeter. Die generative Vermehrung, Keimung und Etablierung der Pflanzen ist möglicherweise nur auf nackten Bodenstellen möglich. Vermutlich ist die Art auf Umweltfaktoren angewiesen, die eine Dominanz höherwüchsiger Pflanzen verhindern. Die Bestäubung der Blüten erfolgt durch Insekten; die Ausbreitung der Samen über den Wind.


Standort

Das Gottes-Gnadeskraut besiedelt häufig gestörte Plätze mit offenen Bodenstellen in Schlankseggenrieden, in Röhrichten, in Feuchtwiesen, in Flutrasen, an kiesigen Seeufern an Gräben oder in periodisch trockenfallenden Teichen. Die als Wechselnässezeiger geltende wärmeliebende Pflanze ist salzertragend. Sie besiedelt vorzugsweise staunasse, gelegentlich überschwemmte, mäßig nährstoffreiche, kalkreiche bis arme, basenreiche bis neutrale bis schwach saure Tonböden, Torf oder Humus. Die Art ist relativ gesellschaftsvag. Sie gilt in Deutschland als schwache Kennart des Verbandes der Brenndoldenwiesen (Cnidion dubii Bal.-Tul. 1965). Sie kommt aber auch in Gesellschaften der Verbände Magnocaricion oder Agropyro-Rumicion vor.

Verbreitung/Vorkommen

Das Gottes-Gnadeskraut kommt in ganz Europa ohne Skandinavien und Großbritannien vor. Sein Verbreitungsgebiet reicht in Südosteuropa über den Balkan bis in die Türkei. Ostwärts reicht sein Areal bis nach Zentralasien.

Giftigkeit

Das Gottes-Gnadenkraut ist in allen Teilen stark giftig, deshalb wird es in der Schulmedizin nicht mehr eingesetzt. Hauptwirkstoffe sind das tetracyclische Triterpen Gratiogenin, Gratiogeninmonoglucosid, Gratiosid und 16-Hydroxygratiogenin, nach älteren Angaben auch Gratiotoxin. In frischen Blättern befinden sich 0,08 % Cucurbitacin E und 0,02 % Cucurbitacin I.

Vergiftungserscheinungen sind Übelkeit, Speichelfluss, Erbrechen, Koliken, blutige Durchfälle, Nierenentzündung, Brennen in den Harnwegen, Krämpfe, Störung der Herztätigkeit und der Atmung. In letalen Fällen erfolgt der Tod im Kollaps, vielleicht durch Atemlähmung. Beachtenswert ist auch die Beeinträchtigung des Sehvermögens und der Farbempfindung. Örtlich reizend und zentral resorptiv erst zentral erregend, dann lähmend. Dem Gratiotoxin wird eine stark digitalisierende Wirkung zugeschrieben. Als Nebenwirkungen dieses Giftstoffs wurden auch blutige Darmentleerungen bei Schwangeren-Abort, heftige Krämpfe, starkes Erbrechen und Störungen der Herz- und Atemtätigkeit beobachtet.

Bei Tieren sind vereinzelt Vergiftungen aufgetreten. Das giftige Gratiosid wird über die Milch ausgeschieden, und dadurch sind weitere Vergiftungen möglich.
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Fella-Entoxin®

Gottes-Gnadenkraut - Garten/Anbau

Boden Beschaffenheit: +/- humoser Boden; kalkarmer / kalkfreier Boden; salzertragend; toniger Boden / Tonboden; torfiger Boden / Torfboden;
Boden PH-Wert: neutral;
Boden Feuchte: nass; wechselnass / zeitweise überschwemmt;
Boden Nährstoffgehalt: basenreich; nährstoffreich;

Sonstiges

Das Gottes-Gnadenkraut ist europaweit gefährdet und stark im Rückgang begriffen. In Deutschland ist es nach der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) besonders geschützt. In der Roten Liste gefährdeter Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands ist die als stark gefährdet (Gefährdungskategorie 2) geführt. Auch in der Schweiz gilt sie als „endangered“ (gefährdet).

Die Gefährdungsursachen sind vor allem in der fehlenden Dynamik an den natürlichen Standorten des Gottes-Gnadenkrautes zu suchen. Offene Bodenstellen werden kaum noch durch zum Beispiel Überschwemmungen, extensive Beweidung oder Tritt geschaffen. Ferner ist die Eutrophierung durch Düngung ein wesentlicher Gefährdungsfaktor. Aber auch die Konkurrenz invasiver gebietsfremder Arten und Verdrängung durch beispielsweise Kanadische Goldrute (Solidago canandensis) oder Adlerfarn (Pteridium aquilinum) sind als Rückgangsursachen zu nennen.

Das Gottes-Gnadenkraut ist europaweit gefährdet und stark im Rückgang begriffen. In Deutschland ist es nach der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) besonders geschützt. In der Roten Liste gefährdeter Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands ist die als stark gefährdet (Gefährdungskategorie 2) geführt. Auch in der Schweiz gilt sie als stark gefährdet (EN = „endangered“).

Die Gefährdungsursachen sind vor allem in der fehlenden Dynamik an den natürlichen Standorten des Gottes-Gnadenkrautes zu suchen. Offene Bodenstellen werden kaum noch durch zum Beispiel Überschwemmungen, extensive Beweidung oder Tritt geschaffen. Ferner ist die Eutrophierung durch Düngung ein wesentlicher Gefährdungsfaktor. Aber auch die Konkurrenz invasiver gebietsfremder Arten und Verdrängung durch beispielsweise Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) oder Adlerfarn (Pteridium aquilinum) sind als Rückgangsursachen zu nennen.

Literatur

Bildquellenverzeichnis



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