Kuhkraut - Vaccaria hispanica

Familie: Nelkengewächse - Caryophyllaceae


Kuhkraut Info

Vaccaria: lat. vacca = Kuh (Futterpflanze); "Kuhkraut"
hispanicus: spanisch

andere Namen: Synonyme: Vaccaria hispanica (P. Mill.) Rauschert, Saponaria vaccaria L.
Vaccaria segetalis Garcke ex Aschers, Vaccaria vaccaria (L.) Britt.
Vaccaria vulgaris Host, Vaccaria pyramidata Medik.


Erscheinungsbild und Blatt

Die Kuhnelke wächst als sommergrüne, einjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von meist 20 bis 70 (8 bis 100) Zentimetern. Die oberirdischen, vegetativen Pflanzenteile sind kahl und blaugrün. Es wird eine gedrungene Pfahlwurzel gebildet. Der selbständig aufrechte, meist erst im oberen Bereich dichotom verzweigte Stängel ist kahl und grau-grün.

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 15; es liegt Diploidie vor, also 2n = 30.

Phänologie

Die Blütezeit dauert etwa drei Monate und reicht in Mitteleuropa je nach Standort von Juni bis September, meist von Juli bis August. In China reicht die Blütezeit von April bis Juli. In Nordamerika blüht die Kuhnelke im Frühling und Sommer und in Australien zwischen Oktober und Dezember.

In China reifen die Früchte zwischen Mai und August.

Ökologie

Die Kuhnelke ist eine Therophyt, sie ist winterannuell. Die Keimung erfolgt im Herbst und der Sämling überdauert den Winter. Die besten Keimergebnis werden bei Dunkelheit und relativ niedrigen Temperaturen erzielt. Es wird im Boden keine dauerhafte Samenbank gebildet, dies ist der Grund dafür, dass Bestände, die durch Saatgutverschleppung gebildet wurden nicht beständig sind. Bei Trockenheit im Sommer bei voller Sonne welken die Exemplare und sterben ab.

Gynomonözie ist zwar nachgewiesen, kommt allerdings selten vor. Meist sind die Blüten zwittrig. Die Blüten werden durch Tagfalter bestäubt, weil nur sie mit ihren langen Rüsseln den Nektar am Grund der Blütenröhre erreichen können. Häufiger tritt aber Selbstbestäubung auf. Es liegt Selbstkompatibilität vor.

Die Diasporen sind die Samen und es erfolgt Windausbreitung.

Die Laubblätter sind gegenständig am Stängel angeordnet. Die untersten Laubblätter sind kurz gestielt und die oberen sind sitzend. Die einfache Blattspreite ist bei einer Länge von 2 bis 10 Zentimetern und einer Breite von 1,5 bis 4 Zentimetern lanzettlich bis eiförmig oder eiförmig-lanzettlich mit gerundeter bis herzförmiger und stängelumfassender Spreitenbasis und spitzem bis stumpfem oberen Ende. Es ist nur ein Hauptnerv erkennbar.

Blütenstand und Blüte

In endständigen, aufrechten, lockeren, reich verzweigten, schirmrispigen Blütenständen in Form von Dichasien stehen meist 16 bis 50 (10 bis 100) Blüten zusammen; die Blütenstände sind oben meist flach. Die paarweisen, gegenständigen Tragblätter sind laubblattähnlich und lanzettlich mit einem grünen Mittelnerv. Die aufrechten Blütenstiele sind meist 10 bis 30 (5 bis 55) Millimeter lang.

Die meist zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf kahlen, bei einer Länge von 1 bis 1,5 Zentimetern und einer Breite von 5 bis 10 Millimetern schmal eiförmigen Kelchblätter sind zu einer, bei einer Länge von 7,5 bis 17 Millimetern und einem Durchmesser von 1,5 bis 9 Millimetern, zylindrischen bis urnenförmigen oder bauchigen, weißlich-grünen Kelchröhre verwachsen, sie besitzt fünf Nerven. Jedes Kelchblatt ist auffällig scharf kantig bis gekielt oder besitzt einen mehr oder weniger grünen, höchsten 1 Millimeter breiten Flügel mit schnurartigen Randnerven; zwischen den Kanten oder Flügeln ist die Kelchröhre fast häutig. Die Kelchröhre ist deutlich länger als die Kelchzähne. Die fünf grünen, einnervigen Kelchzähne sind bei einer Länge von 1,5 bis 3 Millimetern eiförmig bis breit-dreieckig mit spitzen oder zugespitzten oberen Enden und grünen oder rötlichen trockenhäutigen Rändern. Nach der Anthese bläht sich der untere Bereich der Kelchröhre auf. Die fünf, freien, 14 bis 25 Millimeter langen und 2 bis 3 Millimeter breiten Kronblätter setzen sich aus einem bei einer Länge von 8 bis 14 Millimetern relativ langen grünlichen keilförmigen Nagel und einer rosafarbenen bis mehr oder weniger roten Platte, die bei einer Länge von 3 bis 8 Millimetern verkehrt-lanzettlich bis verkehrt-eiförmig oder verkehrt-herzförmig ist mit ausgebissenem bis zweiteiligen oberen Ende zusammen. Es ist keine Nebenkrone vorhanden. Die zehn fertilen Staubblätter überragen die Blütenkrone nicht. Die untereinander freien Staubfäden sind mit den Kronblättern verwachsen. An der Basis der Staubfäden befinden sich Nektarien. Zwei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, einkammerigen Fruchtknoten verwachsen (manchmal sind die Fruchtblätter im oberen Bereich nicht vollständig verwachsen), der viele Samenanlagen enthält. Die zwei fadenförmigen Griffel sind 10 bis 12 Millimeter lang und überragen die Blütenkrone etwas; sie sind im oberen Bereich kahl. Auf der Oberseite der Griffel befindet sich linealisch geformt das papillöse (bei 30-facher Vergrößerung erkennbar) Narbengewebe.

Frucht und Samen

Der Fruchtstiel ist 0,5 bis 1 Millimeter lang. Der kugelig aufgeblasene Kelch umhüllt die Frucht. Die bei einem Durchmesser von 8 bis 10 Millimetern längliche, eiförmige bis fast kugelige Kapselfrucht öffnet sich das Exocarp mit vier aufwärtsgerichteten bis zurückgekrümmten Zähnen, das Endokarp öffnet sich unregelmäßig. Eine Kapselfrucht enthält etwa zehn Samen. Die Samen sind bei einem Durchmesser von 1,6 bis 2,5 Millimetern mehr oder weniger kugelig und seitlich abgeflacht. Die rot-braune bis schwarze Samenschale ist mit feinen, flachen Warzen bedeckt, besitzt aber zum Unterschied zu einigen verwandten Gattungen keine Flügel oder Anhängsel. Der Embryo ist gekrümmt.


Standort

Sie besiedelt in den klimatisch begünstigten Gebieten Mitteleuropas Getreide- oder Kleeäcker ist aber - abgesehen von den östlichen Bundesländern in Österreich - meist unbeständig. Seit einigen Jahren kann man die Kuhnelke zuweilen auch in Klee-Gras-Mischsaaten alternativ wirtschaftender landwirtschaftlicher Betriebe antreffen, sofern diese ihr Saatgut aus Südeuropa importieren. In der Schweiz gedeiht sie in Getreidefeldern und Schuttplätzen in warmen Lagen in den kollinen bis montanen Höhenstufen.

Die Kuhnelke gedeiht in Mitteleuropa auf sommerwarmen, trockenen, kalkreichen oder doch zumindest kalkhaltigen, lehmigen oder tonigen, lockeren und daher oft steinigen Böden, die nährstoffreich sein sollen und die mäßig stickstoffreich sein dürfen.

Verbreitung/Vorkommen

Die Kuhnelke ist im gemäßigten Eurasien verbreitet. Das ursprüngliche Verbreitungszentrum der Kuhnelke befindet sich im Mittelmeergebiet mit Vorderasien. Die Kuhnelke ist mit Saatgut weltweit verschleppt worden. In Europa gibt es nur die Unterart Vaccaria hispanica subsp. hispanica. Natürliche Vorkommen in Europa und dem Mittelmeerraum gibt es in Portugal, Spanien (einschließlich der Balearen), Frankreich (einschließlich Korsika), Italien (einschließlich Sardinien sowie Sizilien), Malta, in der Ukraine (einschließlich der Krim), in Ungarn, im ehemaligen Jugoslawien, in Bulgarien, Rumänien, Albanien, Griechenland (einschließlich der Inseln der östlichen Ägäis, Kreta sowie benachbarter Inseln) Zypern, im europäischen sowie asiatischen Teil der Türkei, in Israel, Jordanien, im Libanon, in Syrien, Ägypten (einschließlich des Sinai), Libyen, Tunesien, Marokko und Algerien. In Deutschland findet man nur die Unterart Vaccaria hispanica subsp. hispanica, die in Deutschland zwar als Ackerbeikraut eingeschleppt wurde, aber als Archaeophyt gilt. In Weizenfeldern gedeiht sie in den chinesischen Provinzen: Anhui, Gansu, Guizhou, Hebei, Henan, Hubei, Hunan, Jiangsu, Jiangxi, Nei Mongol, Ningxia, Qinghai, Shaanxi, Shandong, Shanxi, Xinjiang, Xizang sowie Yunnan.

In Nord- sowie Südamerika, Südafrika und Australien ist sie ein Neophyt. In Australien findet man die Kuhnelke in Getreidefeldern in den Bundesstaaten New South Wales, Queensland, Victoria, Western Australia sowie South Australia. In Nordamerika gedeiht die Kuhnelke auf Feldern und Ruderalflächen in Höhenlagen zwischen 0 und 2400 Metern; Fundorte gab es in vielen Bundesstaaten Kanadas und der USA, aber an manchen dieser Fundorte sind die Bestände erloschen. Als Beikraut wächst die Kuhnelke in Feldern in Pakistan in Chitral, Swat, Hazara, Punjab und Baluchistan. Auf den britischen Inseln gibt es immer wieder wildwachsende Bestände auf Feldern und Ruderalflächen, die sich als Gartenflüchtlinge oder durch eingeschlepptes Saatgut und Vogelfutter entwickeln.

Die Kuhnelke ist zentraleuropaweit stark gefährdet und in den Roten Listen der gefährten Pflanzenarten in Deutschland, in Österreich sowie in der Schweiz als vom Aussterben bedroht bewertet. Da diese Art in Deutschland an allen Fundorten vom Aussterben bedroht ist, gibt es in deutschen botanischen Gärten Erhaltungskulturen und Wiederansiedlungsversuche.

Inhaltsstoffe

Die Samen und andere Pflanzenteile enthalten Saponine und sind deshalb für den Menschen, aber viel stärker für Fische giftig. Weitere bioaktive Inhaltsstoffe der Kuhnelke sind beispielsweise Phenole und Cyclopeptide.

Sonstiges

Die Zeigerwerte nach Ellenberg sind: Lichtzahl: 7 = Halblichtpflanze, Temperaturzahl: 6 = Mäßigwärmezeiger- bis Wärmezeiger, Kontinentalitätszahl: 7 = subkontinental bis kontinental, Feuchtigkeitszahl: 2 = Starktrocknis- bis Trockniszeiger, Reaktionszahl: 9 = Basen- und Kalkzeiger, Stickstoffzahl: 3 = auf stickstoffarmen Standorten häufiger, Salzzahl: 0 = nicht salzertragend, Feuchtewechsel: keinen Wechsel der Feuchte zeigend, Schwermetallresistenz: nicht schwermetallresistent. Die Zeigerwerte für den Zivilisationseinfluss auf den Standort nach Kunick 1974 und Frank & Klotz 1988 sind: menschlicher Einfluss (Hemerobie): 5 (alpha-euhemerob = starker menschlicher Einfluss) und die Bindung an Städte (Urbanität) ist urbanophob (nur außerhalb von Städten). Sie kommt in der pflanzensoziologischen Gesellschaft Caucalion = Getreideunkrautgesellschaften vor. Die Hauptvorkommen befinden sich in der Formation „Äcker und kurzlebige Unkrautfluren“. Die Kuhnelke ist Kennart des Verbandes Caucalidion lappulae Tx. 1950.

Kuhkraut Steckbrief

Blütenfarbe: rot, rosa oder purpurn;
Höhe/Länge von 30cm bis 60cm
Blütezeit von Juni bis Juli
Lebensraum: Äcker, Getreidefelder, Brachen;
Blütenstand: Rispe
Blattstellung: mittlere Stängelblätter gegenständig
Blattspreite: ungeteilt
Blattrand: ganzrandig;
Trockenfrüchte: Kapsel
Häufigkeit: sehr selten
Lebensdauer: einjährig;
Höhenstufen: Ebene / Tiefland (0-450m);
Lichtbedarf: Halbschatten; Licht;
Nährstoffbedarf: basenreich; nährstoffreich;
Bodenart: kalkhaltiger / kalkreicher Boden; lehmiger Boden / Lehmboden; sandiger Boden / Sandboden; steiniger Boden / Kies / Grus; toniger Boden / Tonboden;
Bodenfeuchte: mäßig trocken;

Kuhkraut Garten / Anbau

Lichtanspruch: Halbschatten; Licht;
Boden Beschaffenheit: kalkhaltiger / kalkreicher Boden; lehmiger Boden / Lehmboden; sandiger Boden / Sandboden; steiniger Boden / Kies / Grus; toniger Boden / Tonboden;
Boden Feuchte: mäßig trocken;
Boden Nährstoffgehalt: basenreich; nährstoffreich;
Dr. Koll Pflanzenextrakt Griffonia MacaDr. Koll Gemmoextrakt: Ficus carica - Feige
Gemmoextrakt: Vaccinium myrtillus - HeidelbeereDr. Koll GemmoKomplex Nr. 1

Literatur

Bildquellenverzeichnis


Schütze diese Pflanze besonders!

ACHTUNG: Nicht pflücken, sammeln oder zertreten!
Diese Pflanze ist evtl. geschützt und steht auf der Roten Liste Schweiz! Kategorie CR (Vom Aussterben bedroht)


ACHTUNG: Nicht pflücken, sammeln oder zertreten!
Diese Pflanze ist evtl. geschützt und steht auf der Roten Liste Bayern! Kategorie 0 (ausgestorben oder verschollen)


ACHTUNG: Nicht pflücken, sammeln oder zertreten!
Diese Pflanze ist evtl. geschützt und steht auf der Roten Liste Deutschland! Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht)





 

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