![]() | ACHTUNG: Nicht pflücken, sammeln oder zertreten! Diese Pflanze ist geschützt und steht auf der Roten Liste Bayern! Kategorie 3 (gefährdet) |
Steckbrief
Blütenfarbe: blau, lila oder violett; gelb; weiß;Höhe/Länge von 30cm bis 1m
Blütezeit von 6 bis 10
Lebensraum: Mauern; Schutt- und Kiesplätze, Wege, Unkrautfluren, gestörte Standorte;
Lebensdauer: einjährig-überwinternd; zweijährig;
Blattstellung: Blätter wechselständig
Blattform: fiedrig gelappt, fiederspaltig (nicht bis Mittelrippe geteilt);
Blattrand: ganzrandig;
Blütenform: dorsiventral (zygomorph): mit nur einer Symmetrieachse
Blütenstand: Ähre (incl. Quirl)
Trockenfrüchte: Kapsel
Garten/Anbau
Lichtanspruch: Sonne;Boden Beschaffenheit: lehmiger Boden; sandiger Boden; steiniger Boden;
Boden Feuchte: 2 frisch; 4 mäßig trocken;
Boden Nährstoffgehalt: Nährstoffreich (Starkzehrer);
Standort
Das Schwarze Bilsenkraut wächst in Schuttunkrautgesellschaften, an Wegrändern, Mauern u.s.w. Es bevorzugt frische, nährstoff- und stickstoffreiche Sand- oder Lehmböden.Systematik
Abteilung:Spermatóphyta - Samenpflanzen
Unterabteilung:
Angiospérmae - Bedecktsamer
Klasse:
Dicotyledóneae (Magnoliópsida) - Zweikeimblättrige
Unterklasse:
Astéridae - Asternähnliche
Ordnungsgruppe:
Tubiflórae - Röhrenblütige
Ordnung:
Scrophulariáles - Braunwurzartige (Solanáles)
Familie:
Solanáceae - Nachtschattengewächse
Gattung: Hyoscyamus
Schwarzes Bilsenkraut im Web
Schwarzes Bilsenkraut - Hyoscyamus niger
Familie: Solanáceae - Nachtschattengewächse![]() Bildquelle: Wikipedia User Llez |
Hyoscyamus: gr. hys = Schwein, kyamos = Bohne (Kapselform); "Bilsenkraut"
niger: schwarz
andere Namen: Hexenkraut
Bis ins 17. Jahrhundert wurde auch Bier mit den Samen des Bilsenkrautes versetzt, um seine Wirkung zu verstärken. Durch das bayerische Reinheitsgebot von 1516 durfte Bilsenkraut nicht mehr zur Bierbrauerei verwendet werden. Verschiedene Quellen geben an, dass auch der Name der Stadt Pilsen, aus der das bekannte Pilsner Bier stammt, in Zusammenhang mit dem Anbau dieser Pflanze steht.
Das Schwarze Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) ist eine Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae).
Die krautige Pflanze wird meist 30 bis 60 (in Extremfällen bis ca. 170) Zentimeter hoch. Die Wurzel ist spindelförmig und nach oben hin rübenförmig, der Stängel ist klebrig. Die Blätter sind länglich-eiförmig und grob buchtig gezähnt. Die unteren Blätter umfassen den Stängel, die oberen sind schmal gestielt.
Bilsenkraut kann - je nach Zeitpunkt der Keimung - ein- oder zweijährig sein. Bei zweijährigen Pflanzen erscheint im ersten Jahr nur eine Blattrosette. Im darauffolgenden Jahr kommt die Pflanze dann zur Blüte. Den einjährigen Pflanzen fehlt oft der purpurne Blütenfarbstoff.
Die trichterförmige Blüte ist schmutzig gelblich weiß und violett geadert. Die Blüten sind in den Blattachseln angeordnet. Die Frucht ist eine bauchige circa 1,5 Zentimeter lange Deckelkapsel, die vom Kelch umschlossen wird. Der Samen ist graubraun, grubig vertieft und circa 1 mal 1,3 Millimeter groß.
Die Blütezeit erstreckt sich im Wesentlichen über die Monate Juni bis Oktober.
Verbreitung/Vorkommem
Die allgemeine Verbreitung der Art erstreckt sich von Skandinavien bis Südeuropa. Sie ist ebenso in Nord- und Westasien, in Nordindien und Nordafrika zu finden.In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Art sehr zerstreut bis selten im ganzen Gebiet zu finden.
Giftigkeit
Da die Verwendungsmöglichkeit des Bilsenkrauts als Droge seit langem bekannt ist und sein Ruf als Hexenpflanze es für manche sehr interessant macht, werden immer wieder Selbstversuche mit Extrakten des Bilsenkrauts vorgenommen. Da jedoch einerseits die Grenzwerte von berauschender und toxischer Dosis sehr nahe beieinanderliegen und andererseits der Wirkstoffgehalt (bei variabler Wirkstoffzusammensetzung) drastisch schwankt, können sehr schnell schwere Vergiftungen auftreten, die aufgrund der hohen Toxizität der Stoffe auch tödlich enden können. Die tödliche Dosis liegt bei Scopolamin bei 50 mg, niedrigere Dosen können jedoch bereits durch Atemlähmung den Tod herbeiführen.Vergiftungssymptome: Hautrötung, trockener Mund, Unruhe, Schläfrigkeit oder Halluzinationen, Verwirrtheit, Pupillenerweiterung, Herzrhythmusstörungen und komatöse Zustände, Bewusstlosigkeit und Tod durch Atemlähmung.Die Rauschwirkung kann mehrere Tage bis zu einer Woche anhalten. Irreversible Schäden wie Gedächtnisverluste und Verhaltensstörungen können aufgrund der Neurotoxizität der Inhaltsstoffe auftreten.
Inhaltsstoffe
Giftige Hauptinhaltsstoffe sind die Tropan-Alkaloide Scopolamin und Hyoscyamin. Daneben enthält die Pflanze noch Flavonoide.Verwendung in der Pflanzenheilkunde
In der Volksheilkunde wurde die narkotisch und halluzinogen wirkende Pflanze als krampflösendes Mittel und als Räuchermittel bei Asthma bronchiale eingesetzt. Die Blätter und auch die leicht dosierbaren Samen des Bilsenkrautes werden wegen ihres berauschenden Effekts geraucht. Heute ist der Einsatz als obsolet anzusehen, da der Wirkstoffgehalt stark schwankt und es häufig zu Vergiftungen kam.Literarisch gewann das Bilsenkraut durch Shakespeare an Publizität, indem Hamlets Onkel dessen Vater mit Bilsenkraut vergiftete: "Da ich im Garten schlief, / Beschlich dein Oheim meine sich're Stunde / Mit Saft verfluchten Bilsenkrauts im Fläschchen, / Und träufelt' in den Eingang meines Ohres / Das schwärende Getränk!"
Verwendung in Homöopathie/Anthroposophie
In der Homöopathie wird Bilsenkraut als Konstitutionsmittel bei hochgradigen Erregungszuständen mit Halluzination, Hysterie, Manie und Lähmung der Schließmuskeln (Darm, Blase) sowie gegen „Kitzelhusten“, Krämpfe, Delirien, Schlaflosigkeit und Durchfall eingesetzt.Zur Herstellung der Urtinktur wird die ganze Pflanze im blühenden Zustand verwendet. Extrakte des Bilsenkrauts wurden angeblich auch zur Herstellung von Laudanum verwendet.
Gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis gehören zu den Anwendungsgebieten Erschöpfung der Lebenskräfte, auch mit Bewusst-
seinsstörungen, Angst- und Erregungszustände, krampfartige Schmerzen,
Begleitbehandlung bei chronischen Bronchitiden mit krampfartigen Begleit-
erscheinungen. (Indikation für WELEDA Hyoscyamus Rh Flüssige Ver-
dünnung wässrig.)
Kommission C* (s. Quellen):... Vitale Erschöpfung, auch mit Bewusstseinsstörungen, Angst- und Erregungszustände, spastische Schmerzen, chronische Bronchitiden mit spastischer Komponente.
Indikationen: Arterielle v.a. essentielle Hypertonie.
Protrahierter, ständiger trocken-nervöser Reizhusten mit kurzzeitiger Besserung durch Trinken.
Singultus (Schluckauf), auch anhaltend
Myoklonisch-astatische Epilepsie
In der anthroposophischen Medizin als Hauptwirkstoff z.B. in Cardiodoron von WELEDA als Basismedikament bei Herzkreislaufstörungen.
Hyoscyamus verbessert die Herzfrequenzvariabilität.
Als Herzfrequenzvariabilität oder Herzratenvariabilität (HRV) wird die Fähigkeit eines Organismus (Mensch, Säugetier) bezeichnet, die Frequenz des Herzrhythmus zu verändern. Auch im Ruhezustand treten spontan Veränderungen des zeitlichen Abstandes zwischen zwei Herzschlägen auf.
Über autonome physiologische Regulationswege passt ein gesunder Organismus die Herzschlagrate beständig momentanen Erfordernissen an. Körperliche Beanspruchung oder psychische Belastung hat deswegen bekanntlich in der Regel eine Erhöhung der Herzfrequenz zu Folge, die bei Entlastung und Entspannung normalerweise wieder zurückgeht. Dabei zeigt sich eine höhere Anpassungsfähigkeit an Belastungen in einer größeren Variabilität der Herzfrequenz. Unter chronischer Stressbelastung ist beides dagegen wegen der beständig hohen Anspannung, die dafür typisch ist, mehr oder weniger eingeschränkt und infolgedessen reduziert.
Arzneimittel: Hyoscamus Rh WELEDA
Hyoscyamus ex herba WALA
Literatur
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- 1986 - München; ISBN: 978-3576105591
- Finkenzeller X. & Grau J.; Steinbachs Naturführer ,Alpenblumen - 1985 - 1. Auflage, München
- Fintelmann V. & Weiss R.-F. Lehrbuch der Phytotherapie - 2005 - 11. Auflage, Stuttgart; ISBN: 978-3830453451
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- Kremer B.: Bäume (Laub-und Nadelbäume) - 1992 - 1. Auflage, Stuttgart
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- Schönfelder, B. & Fischer J. - Welche Heilpflanze ist das?: Heilpflanzen, Giftpflanzen, Wildgemüse - 1976 - 18 Auflage, Stuttgart; ISBN: 978-3440047804
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- Steinegger E.& Hänsel R.: Pharmakognosie - 1992 - 4. Auflage, Berlin-Heidelberg; ISBN: 978-3540342564
- Vademecum Anthroposophische Arzneimittel
Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland und der Medizinischen Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, Dornach, Schweiz - 2010 - 2. Auflage
- WELEDA AG: Arzneimittelverzeichnis 2009 - 2009 - Schwäbisch Gmünd
- Wendelberger, E. - Heilpflanzen. Erkennen, sammeln, anwenden. - 2003 - München, Wien, Zürich; ISBN: 978-3835403703
- Wichtl M. - Teedrogen und Phytopharmaka. Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage - 2008 - 5. Auflage, Stuttgart; ISBN: 978-3804723696





































