Bärwurz - Meum athamanticum

Familie: Doldenblütler

Kategorie: Heilpflanze  Gewürzpflanze  Wildgemüse  Staude  Alpenpflanze  

Bärwurz Info

Meum: gr. maia = Amme (milchfördernde Eigenschaften beim Wei­de­vieh), evtl. auch geburtsfördernd; "Bärwurz", "Gebärwurz", "Mutterwurz"
athamanticum: nach Athamas, dem Sohn des Aeolus (gr. Mythologie: Gott der Winde), gr. anthos = Blüte

Die Bärwurz ist eine 15 bis zu 60 cm hohe und bis zu 30 cm breit werdende, horstbildende, mehrjährige krautige Pflanze. Ihr Rhizom ist walzlich, lang und dick und trägt oben einen Faserschopf. Die Stängel sind aufrecht bis aufsteigend, kahl, kantig-gerieft und nur oberwärts mit 1 oder 2 Blättern besetzt. Die Laubblätter sind lang gestielt, im Umriss länglich oder eiförmig und zwei- bis vielfach fiederschnittig. Die Abschnitte letzter Ordnung sind haardünn, 4-6 mm lang und fast quirlig gebüschelt.

Die Dolden sind 6-15-strahlig, ihre Strahlen sind glatt und fast kahl, aber zur Fruchtzeit ungleich verlängert. Die Döldchen sind reichblütig; meist sind nur die Randblüten und die Mittelblüte zwittrig, die restlichen sind männlich. Die Hülle ist fehlend oder 1-8-blättrig, die Hüllchen 3-8-blättrig. Die Blütenblätter sind weiß oder gelblich-weiß.

Die Frucht ist nussbraun, 6-10 mm lang und bis zu 3-5 mm breit, sechskantig.

Die Blütezeit reicht von Mai bis Juni.

Die Bärwurz hat einen starken Geruch, selbst noch getrocknet (etwa im Herbarium). Er ähnelt insgesamt dem Fenchel. Im Französischen wird Bärwurz Berg- oder Alpenfenchel genannt (Fenouil de montagne bzw Fenouil des Alpes).

Die Chromosomenzahl der Art ist 2n = 22.


Standort

Als Standort werden Weiderasen, Geröllhalden, steinige Stellen unter Krummholz in der montanen bis subalpinen Höhenstufe bevorzugt. Sie ist in Mitteleuropa eine Nardetalia-Ordnungscharakterart.

Zum Schutz der heimischen Flora wird die Bärwurz mittlerweile von spezialisierten Landwirten angebaut. Sie kultivieren die Pflanze unter hohen Umweltstandards und Auflagen für die Brennereien im Bayerischen Wald sowie für andere Zwecke wie Pflanzenheilkunde oder Kräuterliköre.

Verbreitung/Vorkommen

Sie ist in West- und Mitteleuropa beheimatet, ihr Verbreitungsgebiet reicht aber östlich bis Bulgarien und südlich bis Kalabrien und Marokko.

Verwendung in der Küche

Das doldenblütige Gewürzkraut wird in den schottischen Highlands häufig verwendet. Das feine dillartige Laub und die Wurzeln haben einen kräftig-deftigen Geschmack, der z. B. gut mit Schnittlauch in Kräuterquarks passt. In manchen Gegenden wird die Bärwurz zur Herstellung von Kräuterkäse, im Erzgebirge zur Bereitung der „Köppernickel-Suppe“ verwendet.

Im südlichen Schwarzwald wird ein Kräutersalz mit Meersalz und getrockneter Bärwurz hergestellt. Hierfür wird das Kraut vor dem Blühen gesammelt, im Schatten getrocknet und dann klein gemacht und unters Salz gemischt – Verhältnis nach Belieben.

Der in Bayern, vor allem im Bayerischen Wald, bekannte und in zylindrischen, braunen Steingut-Flaschen verkaufte „Bärwurz“-Schnaps wird entweder aus der Bärwurz-Pflanze oder aus der Mutterwurz (Ligusticum mutellina) hergestellt.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Man verwendet das Pulver oder die Essenz aus der Wurzel gegen Ausschlag und Magenleiden.

Gemäß Tabernaemontanus sind die Heilkräfte des Bärwurzes zahlreich:

„Beerwurtzwasser getruncken/ eröffnet die verstopffung der Leber/ der Nieren/ Harngäng/ und der Blasen/ vertreibet die Geelsucht/ Wassersucht/ den schmertzen der Därm und der Mutter/führet auss den Stein/ treibet den/ vertreibt die Harnwinde/ und das tröpfflingen harnen.“

– New Kreuterbuch 1588

„Tröstlich ist auch, dass dass Rindvieh jsset dz Kraut von der Beerwurtz fast gern/ unnd bekommen die Kühe viel Milch davon/ darauss treffentliche gute Käss im Schwarzwald unnd andersswo gemacht werden.“

In der neuzeitlichen Pflanzenheilkunde wird Bärwurz in der Hildegard-Medizin eingesetzt. Der sogenannte Bärwurzbirnenhonig enthält als Kräuterhauptbestandteil getrocknete und gehäckselte Bärwurzel neben anderen Kräutern.

Bärwurz Steckbrief

Blütenfarbe: gelb; weiß;
Höhe/Länge von 15cm bis 50cm
Blütezeit von Mai bis Juni
Lebensraum: (Fett-) Wiesen und Weiden; Gebirge; Magerrasen;
Blütenstand: Doppeldolde zusammengesetzte Dolde
Blattstellung: mittlere Stängelblätter wechselständig
Blattspreite: geteilt
Blattrand: ganzrandig;
Trockenfrüchte: Doppelachäne (Apiaceae)
Häufigkeit: zerstreut
Lebensdauer: ausdauerndes Kraut (Staude);
Höhenstufen: Mittellage (450-1500m);
Höhenstufe min: 700m
Höhenstufe max. in den Alpen: 1100m
Lichtbedarf: Licht;
Nährstoffbedarf: mäßig basenreich;
Bodenart: +/- humoser Boden; kalkarmer / kalkfreier Boden; lehmiger Boden / Lehmboden; sandiger Boden / Sandboden; Silikatboden; steiniger Boden / Kies / Grus;
PH-Wert Boden: mäßig sauer; sauer;
Bodenfeuchte: frisch; mäßig trocken;

Bärwurz Systematik

Abteilung:
Spermatophyta - Samenpflanzen
Unterabteilung:
Angiospermae - Bedecktsamer
Klasse:
Dicotyledoneae (Magnoliopsida) - Zweikeimblättrige
Unterklasse:
Rosidae - Rosenähnliche
Ordnungsgruppe:
Umbelliflorae - Doldenblütige
Ordnung:
Apiales - Doldenblütlerartige (Araliales)
Familie:
Apiaceae
Gattung:
Meum
Art:
athamanticum

Bärwurz Garten / Anbau

Lichtanspruch: Licht;
Boden Beschaffenheit: +/- humoser Boden; kalkarmer / kalkfreier Boden; lehmiger Boden / Lehmboden; sandiger Boden / Sandboden; Silikatboden; steiniger Boden / Kies / Grus;
Boden PH-Wert: mäßig sauer; sauer;
Boden Feuchte: frisch; mäßig trocken;
Boden Nährstoffgehalt: mäßig basenreich;
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Literatur

Bildquellenverzeichnis


Schütze diese Pflanze besonders!

ACHTUNG: Nicht pflücken, sammeln oder zertreten!
Diese Pflanze ist evtl. geschützt und steht auf der Roten Liste Schweiz! Kategorie NT (Potenziell gefährdet)


ACHTUNG: Nicht pflücken, sammeln oder zertreten!
Diese Pflanze ist evtl. geschützt und steht auf der Roten Liste Bayern! Kategorie 3 (gefährdet)


 

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