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Behaarte Platterbse

Lathyrus hirsutus L.
Giftpflanze Giftig ⚠️ 2

Die Sprosse der einjährig oder einjährig-überwinternden krautigen Pflanze ist kahl oder zerstreut bewimpert. Der Stängel ist 30 bis 100 cm lang, meist vom Grunde an ästig, aufsteigend, aufrecht oder kletternd und mit den meist schmalen Flügeln etwa 2 bis 4 mm breit.

Die Blattstiele sind schmaler geflügelt, etwa 1 bis 2 cm lang und nur 1/8 bis 1/3 mal so lang wie die Blättchen. Diese tragen eine meist kräftige, drei bis mehrteilige Ranke, an den unteren Laubblättern mit kurzer Granne. Die Blättchen wachsen stets nur in einem Paar, sind lanzettlich bis elliptisch, etwa 1,5 bis 6 cm lang und 3 bis 15 mm breit. Sie sind spitz oder abgerundet und bespitzt, mit gestreckten Nerven bildenden Netznerven, sind meist kahl und von frisch oder bläulichgrüner Farbe.

Die Nebenblätter sind halb so lang bis etwa so lang wie der Blattstiel und schmal halbpfeilförmig.

Die traubigen Blütenstände sind 1,5 bis 3 mal so lang wie die Laubblätter, ein bis dreiblütig und besitzen kräftige, kantig gefurchte, in eine kurze Granne endende Achsen. Die Blüten sind 1 bis 1,5 cm lang und sitzen an 3 bis 5 mm langen Stilen in der Achsel kurzer, pfriemlicher, bleibender Tragblätter. Die Kelchzähne sind breit lanzettlich und etwa so lang wie die Röhre. Die Krone ist meist blauviolett, selten auch rosa oder weiß. Beim Welken wird sie blau. Die Fahne ist dunkler geadert und viel länger als die helleren Flügel und das weißliche Schiffchen.

Die Hülsenfrüchte sind lineal und oft etwas gekrümmt, etwa 3 bis 5 cm lang und 6 bis 10 mm breit. Sie sind dicht mit langen, hellen, auf Knötchen sitzenden Haaren besetzt. Reif werden sie braun und verkahlen des Öfteren. Sie sind 5 bis 6-samig.

Die Samen sind kugelig, warzig-rau und von graubrauner Farbe.

Besonders die Samen sind giftig.
Verschiedene Arten der Gattung Lathyrus (Platterbse) sind giftverdächtig. Bei Lathyrus sativus (Saat-Platterbse) wurde neben der Giftigkeit für den Menschen eine starke Giftigkeit für Pferde und Rinder nachgewiesen (Lathyrismus). Die genaue Ursache der Vergiftungen ist nicht bekannt.

Bei der hier beschriebenen Art wird aufgrund der nahen Verwandtschaft zu Lathyrus sativus (Saat-Platterbse ) von der Möglichkeit der Giftwirkung der Saat-Platterbse ausgegangen, da genaue Daten und Erfahrungen zur Art nicht vorliegen.

Lathyrismus tritt auch beim Menschen auf, wenn er sich in Notzeiten überwiegend vom Mehl der trockenheitsresistenten Saat-Platterbsen ernährt. Klinisch manifestiert sich Lathyrismus-Neurotoxizität in Muskelspasmen, Krämpfen der Extremitätenmuskulatur und progressiver spastischer Lähmung (Parese) der Beinmuskulatur. Typisch ist der Gang, bei dem die Betroffenen faktisch von einem Bein aufs andere fallen. Gefühls- und Blasenfunktionsstörungen können ebenfalls auftreten. Gelegentlich wird ein grobschlägiger Tremor der Arme beobachtet.

Für den europäischen Raum ist ein verheerender Ausbruch dieser Erkrankung zu Beginn des 19. Jahrhunderts beschrieben. Viele Spanier ernährten sich während der Befreiungskriege gegen Napoleon in hohem Maße von Platterbsen. Francisco Goya hat die Folgen dieser Erkrankung unter anderem in seiner Radierung Gracias a la Almorta (dt.: Dank der Platterbse) festgehalten. Lathyrismus tritt heute noch in Dürregebieten auf, wenn andere Lebensmittel rar werden. Ausbrüche in der jüngeren Vergangenheit sind unter anderem für China, Indien, Bangladesch und Äthiopien beschrieben. Die Symptomatik tritt im allgemeinen nach längerfristiger und häufiger Aufnahme durch einseitige Ernährung mit Lathyrus-Samen auf. Bei einmaliger Aufnahme sind Beschwerden unwahrscheinlich

Giftige Pflanzenteileganze Pflanze
Giftigstes PflanzenteilSamen, Hülse
GiftstoffeNitrile, giftige Carbonsäuren

Folgesymptome

Sehstörungen, erhöhter Harndrang, Lähmung der Extremitätenmuskulatur, Schmerzen, Blasenentzündung (Cystitis), Kribbeln an den Beinen, Ödeme

Sofortmaßnahmen

sofort Gabe von 10g Kohle-Pulver (Kohle-Pulvis), Erbrechen auslösen, Gabe von Natriumsulfat (= Glaubersalz = Schwefelsaures Natron): ein Esslöffel auf 250ml Wasser, viel Wasser trinken

Standort

Die Pflanze wächst sie in Getreidefeldern, Wickenäckern, auf Brachen, an Feldrainen, in Hecken, Steinbrüchen. Sie bevorzugt kalkreichen Boden.

Verbreitung & Vorkommen

Die Behaartfrüchtige Platterbse ist im Mittelmeergebiet verbreitet. In Mitteleuropa nur eingebürgert oder adventiv. Ansonsten in England, Belgien, nach Osten bis in die Ukraine, Krim und Transkaukasien sowie Vorderasien.

Die Art wird wie andere Schmetterlingsblütler u.a. mit süd- und südosteuropäischen Getreide- bzw. Wickensaaten verschleppt. Vereinzelt war Lathyrus hirsutus im Oberrheintal schon Bauhin Anfang des 17. Jahrhunderts bekannt. Sie scheint aber in den meisten Gegenden Mitteleuropas erst nach 1830 eingeschleppt worden zu sein, ist also unter die Neophyten zu zählen.

Die Behaartfrüchtige Platterbse tritt in Deutschland selten und unbeständig auf, vor allem im mittleren und südwestlichen Gebiet. Lathyrus hirsutus findet man in Bayern vor allen Dingen im nördlichen Teil selten und zerstreut und häufig adventiv.

Aus derselben Gattung (Lathyrus)

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Aus derselben Familie (Schmetterlingsblütler)

Alle Pflanzen der Familie Schmetterlingsblütler