Kleines Leimkraut - Silene pusilla

Familie: Caryophyllaceae
Steckbrief | Systematik
Kategorie: Alpenpflanze

<b>Kleines Leimkraut - <i>Silene pusilla</i></b>
Kleines Leimkraut - Silene pusilla
Bildquelle: Wikipedia User Ghislain118; Bildlizenz: CC BY-SA 3.0;

Silene: n. Silen, dem Begleiter des Bacchus, der der Sage nach im­mer mit Geifer (= sialon) bedeckt war; "Leim­kraut"
pusillus: winzig

andere Namen: Kleine Strahlensame

Der Kleine Strahlensame wird vom erst 2012 beschriebenen Antherenbrand Microbotryum heliospermae befallen. Dieser wandelt die Staubblätter in dunkle Sporenlager (Sori) um.[1

Vegetative Merkmale

Der kleine Strahlensame ist eine zarte, ausdauernde krautige Pflanze, meist mit kurzen, seltener mit verlängerten und in den Boden verlagerten überdauernden Sprossachsen. Die Primärwurzel ist dünn, reich verzweigt, selten sind zarte sproßbürtige Wurzeln vorhanden. Er bildet ein rasenartiges bis lockeres Polster mit höchstens 12 Zentimeter Durchmesser und 10 bis 20 Blütentrieben. Blühende Stängel sind 10 bis 20 (5 bis 35) Zentimeter, aufsteigend, sehr dünn, mehr oder weniger kahl und oben klebrig.

Die Laubblätter sind locker verteilt, die unteren klein, spatelförmig-lanzettlich, gestielt, die übrigen größer, linealisch bis linealisch-lanzettlich, am Grund bewimpert.
Generative Merkmale
Samen

Der Blütenstand ist ein Dichasium oder Wickel in dem meist zwei bis drei (ein bis sechs) Blüten locker verteilt sind; regelmäßig mit mehreren Kofloreszenzen. Die zwittrigen Blüten sind fünfzählig. Der Kelch 3-7 mm, kreiselförmig, kahl oder schwach drüsenhaarig, undeutlich zehnnervig; Kelchzähne etwa halb so lang wie die Röhre. Die weißen, selten rosa- oder lilafarbenen Kronblätter sind 7-9 mm lang; Nagel kahl; Platte verkehrt-eiförmig, vier- oder zweizähnig. Die Nebenkrone ist etwa 1 mm lang und zweiteilig. Es sind drei oder selten fünf Griffel vorhanden.

Die Kapselfrucht ist 5-8 mm lang, nicht oder wenig aus dem Kelch hervorragend, breit eiförmig bis fast kugelig, ohne basale Septen. Das Karpophor ist kurz. Die Samen sind 1,2-1,6 mm lang, körnig rauh, auf dem Rücken mit dichtstehenden, langen (1/3-1/2 des Durchmessers), strahlig abstehenden Papillen. Die Blütezeit reicht von Juni bis September.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 24.


Standort

Der Kleine Strahlensame gedeiht an humiden Standorten auf sickerfeuchten (in tieferen Lagen stets beschatteten) Felsen, in Felsnischen, auf Felsschutt, in anmoorigen Rinnsalen, in Bachgeröll oder als Alpenschwemmling im Flusskies überwiegend auf kalk- und basenreichen Substrat oft in Moosdecken oder Moospolstern wurzelnd. In Mitteleuropa ist er zerstreut in subalpinen und alpinen Quellfluren, Quellnischen, an moorigen Rinnsalen und überrieselten Felsen auf sickernassen, kalkhaltigen, milden, humosen, tonig-lehmigen Steinböden vorkommend. Er ist eine Charakterart des Cratoneuretum falcati, kommt aber auch selten als Schwemmling im Kies der Alpenflüsse vor. Daneben in feuchten Feinschutt-Gesellschaften oder in Moosdecken oder Moospolstern wurzelnd. Charakteristisch vor allem für Kalkquellflur-Gesellschaften (Cratoneurion commutati, z.B. Cratoneuro-arabidetum), auch in frischfeuchten Varianten von Kalkfelsspalten-Gesellschaften (Potentillion caulescentis), Kalkrasen (Caricetum ferrugineae) oder auf Humus im Legföhren-Gebüsch. In den Alpen kommt er in Höhenlagen von 1350 bis 2300 Meter vor.

In den Nordewestdinariden Sloweniens und Kroatiens ist der Kleine Strahlensame eine Charakterart in Schneetälchen-Gesellschaften mit der Assoziation Drepanoclado-Heliospermetum. Unter anderen ist sie hier neben dem Laubmoos Sanionia uncinata noch mit der Stumpfblättrigen Weide wie dem Eiszeitrelikt des Weißen Silberwurz vergesellschaftet. Bei vegetationsökologischen Untersuchungen in Schneetälchen im Snežnik und dem Velebit wurde eine Präferenz des Kleinen Strahlensamens in den Gebirgsstandorten für kühl-feuchten Lagen mit besonders lang haltender Schneedecke, später Aperzeit, geringer Sonneneinstrahlung sowie tiefen Temperaturen beobachtet. Solche mikroklimatischen Standorte stellen im Liburnischen Karst unter anderen Frost-Dolinen der Hochlagen, die durch Temperaturinversion mit der Häufung von Frosttagen präferierte Standorte der Assoziation Drepanoclado uncinati-Heliospermetum pusille Surina et Vreš 2004 sind. Die Standorte in Slowenien liegen in Höhenlagen von 1100 bis 1300 Metern und im nordwestlichen Kroatien von 1400 bis 1500 Metern. Es sind azonale Standorte innerhalb der Subalpinen Buchen und Fichtenwäldern innerhalb von geschlossenen Frost-Karstdolinen die aufgrund der Temperaturverhältnisse der subalpinen Vegetationszone zugerechnet werden.

Schneetälchen der herzegowinischen ?vrsnica zeigen neben Heliosperma pusillum, Saxifraga prenja, Papaver kerneri, Ranunculus montanus, Saxifraga sedoides subsp. prenja und Hutchinsia alpina subsp. brevicaulis.

In den Allgäuer Alpen steigt er am Nordgrat des Biberkopfs in Bayern in eine Höhenlage von bis zu 2350 Meter auf.

Verbreitung/Vorkommen

Der Kleine Strahlensame ist von den Pyrenäen über die Alpen bis in die Südkarpaten verbreitet. In den Ostkarpaten kommt er jedoch nicht mehr vor. Von Nord nach Süd reicht das Verbreitungsgebiet von der Tatra bis in den Pindus. Dabei gehören die Populationen von der Neretva bis Nordgriechenland zumeist zur Unterart Heliosperma pusillum subsp. monachorum, die 2011 für Albanien und 1997 für Nord-Griechenland nachgewiesen wurde. Eine genaue territoriale Abgrenzung zu der Unterart Heliosperma pusillum subsp. albanicum ist 1997zur Zeit nicht möglich. Von Nord nach Süd steigt die Höhengrenze merklich; in Albanien wurden die Populationen in der Nemercka in Höhenlagen 2200 bis 2450 Metern beobachtet, damit liegen die Vorkommen selbst im unmittelbaren Gipfelbereich.
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Kleines Leimkraut - Garten/Anbau

Boden Beschaffenheit: kalkhaltiger / kalkreicher Boden; steiniger Boden / Kies / Grus;
Boden Feuchte: feucht;

Literatur

Bildquellenverzeichnis



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