Bremis Wasserschlauch - Utricularia bremii

Familie: Lentibulariáceae - Wasserschlauchgewächse

Kategorie: Wasserpflanze fleischfressende Pflanze

Utricularia: lat. utriculus = kl. Schlauch (Fangblasen); "Was­ser­schlauch"

Bremis Wasserschlauch (Utricularia bremii), auch Zierlicher Wasserschlauch, ist eine aquatische Pflanzenart aus der Gattung der Wasserschläuche (Utricularia), in der Sektion Utricularia.

Die Art ist ein wurzelloser, gelegentlich frei flottierender, in der Regel durch Sprosse am Grund befestigter mehrjähriger Hydrophyt, die Pflanze befindet sich (mit Ausnahme der Blüte) vollständig unter Wasser. Die unterirdischen Sprosse sind 25 bis 60 Millimeter lang, chlorophylllos, haben ein bis acht Fallen und extrem reduzierte Blätter. Die Sprosse im Wasser sind bis zu sechzig Zentimeter lang. Die zahlreichen kreis- bis eiförmigen Blätter sind bis zu zwei Zentimeter lang und bis zum Grunde 3-teilig. Die einzelnen Abschnitte sind wiederum 4 bis 5 mal gabelig geteilt. Insgesamt sind pro Blatt (9-) 12 bis 25 (-50) lineale Endzipfel vorhanden. Es gibt je Blatt 1 bis 7(-10) Schläuche (Fangblase). Diese sind oval und 1 bis 2 Millimeter lang. Der Blütenstand ist eine aufrechte, auftauchende, 5 bis 42 (60) Zentimeter hohe, 2 bis 14 blütige, lockere Traube. Der Kelch ist zweiteilig. Die Krone ist goldgelb, zweilippig, 8 bis 9 Millimeter lang, und ungefähr so lang wie breit. Die Oberlippe ist eirund, und mehr oder weniger ebenso lang wie der braunrot gestreifte Gaumen. Die Unterlippe ist rundlich, 8 bis 9 Millimeter lang und mehr oder weniger flach ausgebreitet. Der Sporn ist kurz und seitlich gesehen ungefähr so lang wie breit. Die 2 Staubblätter sind gebogen. Reife Früchte und Samen wurden bisher nie beobachtet.

Die Blütezeit reicht von Juli bis Oktober.

Utricularia bremii ist vermutlich aneuploid.

Die Überwinterung dieses Hydrophyten erfolgt auf dem Grund oder im Schlamm der Gewässer durch spezielle kugelige bis ovale Winterknospen (Turionen), welche sich im Herbst an den Sprossspitzen bilden. Bei Utricularia bremii sind die Pollen beinahe immer missgebildet, Kapseln und Samen sind keine bekannt. Die Art scheint sich wie Utricularia ochroleuca und meist Utricularia australis nur vegetativ zu vermehren (sie ist vermutlich ebenfalls aneuploid).

Vermehrung


Wegen ihres späten Blühzeitpunktes, der, ähnlich wie beim Südlichen Wasserschlauch (Utricularia australis), nur äußerst selten zum Ausreifen der Samen führt, vermehrt sich die Pflanze hauptsächlich vegetativ durch Teilung entlang der Sprossachse.

Ähnliche Arten

Vom Kleinen Wasserschlauch (Utricularia minor) ist Bremis Wasserschlauch vegetativ nicht sicher unterscheidbar. Utricularia minor ist jedoch in allen Teilen kleiner. Die Blattabschnitte sind meist 2-3 mal gabelig geteilt, insgesamt sind pro Blatt 7 bis 22 Endzipfel vorhanden. Der Blütenstand besteht aus 2 bis 6 zitronengelben Blüten, diese sind meist länger als breit. Die Unterlippe ist oval und nicht über 5 mm lang; die seitlichen Ränder sind nach unten geschlagen. Der Sporn ist sehr kurz und seitlich gesehen breiter als lang. Die Kapsel ist klein und kugelförmig. Die Samen sind ungefähr 1 mm lang.

Beim Gewöhnlichen Wasserschlauch (Utricularia vulgaris) und Südlichen Wasserschlauch (Utricularia australis) sind die Endzipfel der Blätter am Rande mit feinen, stachelartigen Zähnen besetzt.

Der Mittlere Wasserschlauch (Utricularia intermedia) und Blassgelbe Wasserschlauch (Utricularia ochroleuca) haben ihre Schläuche und Blätter stets an verschiedenen Sprossen. Die Schläuche an den Blättern dienen dem Fang von Planktontierchen.

Utricularia bremii wurde früher als Varietät oder Unterart von Utricularia minor betrachtet. Mittlerweile wird Utricularia bremii als eigene Art betrachtet. Von Utricularia minor ist sie aber nur blühend sicher zu unterscheiden, beide Arten blühen aber je nach Standort nicht alle Jahre. Die Streubereiche der vegetativen Merkmale überlappen sich stark, eine Unterscheidung ist meist nur statistisch möglich. Bisher untersuchte Populationen sind genetisch wenig variabel.


Verbreitung/Vorkommem

Bremis Wasserschlauch gilt als subatlantisches Florenelement und ist in Europa sehr zerstreut verbreitet, fehlt jedoch im Mediterrangebiet, den Balkanstaaten, Schweden und Finnland. Im Norden reicht sie von Irland bis Dänemark, im Süden von Frankreich über Norditalien und Ungarn bis zum oberen Dnjestr-Gebiet, wo sie die östliche Arealgrenze erreicht. Schwerpunkt ihres Vorkommens sind allerdings die Regionen von Donau und Oberrhein. Die europäische Verbreitung ist noch nicht im Detail bekannt.

In Deutschland existiert die Art nur noch in Mittelfranken in sechs Teichen im Aischgrund, an einem Standort im Sebalder Reichswald sowie in Wehrda in Hessen. Die bayrischen Bestände waren zeitweise stark bedroht und wurden seither durch Schutzmaßnahmen stabilisiert. Bremis Wasserschlauch ist in Deutschland durch die Bundesartenschutzverordnung geschützt.

In der Schweiz, wo sie auf der Roten Liste steht, sind noch fünf Standorte bekannt, in Österreich kommt sie in Kärnten und in Niederösterreich vor.

Die Pflanze bevorzugt nährstoffarme, helle, saure Gewässer.

Sonstiges

Utricularia bremii gilt als Verbandscharakterart des Sphagno-Utricularion MÜLL ET GÖRS 60 und kommt vermutlich besonders im Sparganietum minimi TX. 37 vor, ist aber analog zu Utricularia minor auch in anderen Gesellschaften des Verbandes zu erwarten (Z. B. im Scorpidio Utricularietum minoris MÜLL. ET GÖRS 60), zudem wächst er möglicherweise auch in Gesellschaften der Scheuchzerietalia palustris NORDH. 36 und teilweise im Caricetum elatae W. KOCH 26. Oft ist er mit Utricularia minor und z. T. weiteren Arten der Gattung vergesellschaftet.

Literatur

- *Kommission C: Anthroposophische Aufbereitungsmonographien der Kommission C der Gesellschaft anthroposophischer Ärzte in Deutschland. - 1999 - Im Auftrag der medizinischen. Sektion am Goetheanum Dornach/Schweiz
- Bärtels, A.: Farbatlas Tropenpflanzen-Zier und Nutzpflanzen - 1996 - Stuttgart; ISBN: 978-3800134809
- Buttler, K. P.: Steinbachs Naturführer: Orchideen - Die wildwachsenden Arten und Unterarten Europas, Vorderasiens und Nordafrikas. - 1986 - München; ISBN: 978-3576105591
- Finkenzeller X. & Grau J.; Steinbachs Naturführer ,Alpenblumen - 1985 - 1. Auflage, München
- Fintelmann V. & Weiss R.-F. Lehrbuch der Phytotherapie - 2005 - 11. Auflage, Stuttgart; ISBN: 978-3830453451
- Franke, W. - Nutzpflanzenkunde - 1992 - 5. Auflage, Stuttgart; ISBN: 978-3135304052
- Genaust H. -etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen - 1996 - 3. Auflage, Hamburg; ISBN: 978-3764323905
- Harz K. -Bäume und Sträucher: Blätter, Blüten, Früchte der heimischen Arten - 1990 - 6. Auflage, München; ISBN: 978-3835404793
- Holzer S. Permakultur: Praktische Anwendung in Garten, Obst- und Landwirtschaft - 2004 - 3 Auflage, Graz; ISBN: 978-3702010379
- Kremer B.: Bäume (Laub-und Nadelbäume) - 1992 - 1. Auflage, Stuttgart ; ISBN: 978-3440064078
- Kreuter M.-L. Kräuter und Gewürze aus dem eigenen Garten - 2009 - 8. Auflage, München; ISBN: 978-3835403246
- Kreuter M.-L.: Biologischer Pflanzenschutz - 2001 - 08. Auflage, München; ISBN: 978-3405160562
- Kreuter M.-L.; Der Biogarten - 2007 - 23. Auflage, München; ISBN: 978-3835404847
- Oberdorfer E. - Pflanzensoziologische Exkursionsflora - 1994 - 7. Auflage, Stuttgart; ISBN: 978-3800131310
- Raven Peter H.: Biologie der Pflanzen - 2006 - 4 Auflage ; ISBN: 978-3110185317
- Rothmaler W. - Exkursionsflora von Deutschland 2: Gefäßpflanzen. Grundband: BD 2 - 1996 - 16. Auflage, Jena, Stuttgart; ISBN: 978-3827416001
- Rothmaler W. - Exkursionsflora von Deutschland Band 3 - 1994 - 9. Auflage, Jena, Stuttgart; ISBN: 978-3827418425
- Schauer T. & Caspari C. - Der farbige BLV Pflanzenführer - 1990 - 2. Auflage, München; Wien; Zürich; ISBN: B002CZVT1A
- Schauer T. & Caspari C.: Der BLV Pflanzenführer für unterwegs - 2008 - 2 Auflage, München; ISBN: 978-3-8354-0354-3
- Schönfelder, B. & Fischer J. - Welche Heilpflanze ist das?: Heilpflanzen, Giftpflanzen, Wildgemüse - 1976 - 18 Auflage, Stuttgart; ISBN: 978-3440047804
- Senghas, K. & Seybold, S.: Schmeil - Fitschen. Flora von Deutschland und angrenzender Länder. Ein Buch zum Bestimmen der wildwachsenden und häufig kultivierten Gefäßpflanzen - 2000 - 91. Auflage, Wiebelsheim; ISBN: 978-3494014685
- Steinegger E.& Hänsel R.: Pharmakognosie - 1992 - 4. Auflage, Berlin-Heidelberg; ISBN: 978-3540342564
- Vademecum Anthroposophische Arzneimittel Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland und der Medizinischen Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, Dornach, Schweiz - 2010 - 2. Auflage
- WELEDA AG: Arzneimittelverzeichnis 2009 - 2009 - Schwäbisch Gmünd
- Wendelberger, E. - Heilpflanzen. Erkennen, sammeln, anwenden. - 2003 - München, Wien, Zürich; ISBN: 978-3835403703
- Wichtl M. - Teedrogen und Phytopharmaka. Ein Handbuch für die Praxis auf wissenschaftlicher Grundlage - 2008 - 5. Auflage, Stuttgart; ISBN: 978-3804723696