Gewöhnlicher Schneeball - Viburnum opulus Roseum

Familie: Caprifoliáceae - Geißblattgewächse

Viburnum opulus
Bildquelle: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany
Kategorie: Duftpflanze Heckenpflanze Strauch

Viburnum: lat. Pflanzenname, Abl. unklar; "Schneeball"
opulus: lat. Feldahorn, ähnliche Blätter

Der wohlriechende Strauch kann Wuchshöhen von 1,5 bis 4 m erreichen. Die gegenständigen, gestielten Laubblätter sind drei- bis fünflappig und auf beiden Seiten gleich grün gefärbt.

In trugdoldigen Blütenständen stehen die weißen Blüten zusammen. Die Blüten lassen sich in zwei Gruppen unterteilen: äußere sehr große, sterile radförmige; innere fruchtbare, mit glockiger Form. Die Blütezeit reicht von Mai bis August. Bestäuber sind Insekten verschiedener Arten (außer Falter), besonders Fliegen, die ähnlich wie bei den Doldenblütlern auf dem Blütenstand umherlaufend die Bestäubung vollziehen. Der Duft ist vermutlich vom Pollenkitt ausgehend.

Die rote, erbsengroße, beerenähnliche Steinfrucht enthält einen herzförmigen Samen. Die Früchte reifen von August bis November.


Verbreitung/Vorkommem

Diese Pflanzenart ist in ganz Europa, West- und Nordasien verbreitet. Sie ist in der Ebene bis in die Alpen in Höhenlagen von 1000 Meter zu finden.

Inhaltsstoffe

Rinde, Blätter und unreife Früchte enthalten Oxalate, Saponine, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Pectin und das Glykosid Viburnin. Die reifen Früchte werden als schwach giftig klassifiziert.

Verwendung in der Küche

In osteuropäischen Ländern werden die roten Beeren gegen Erkältung in heißem Wasser zerdrückt, mit Honig gesüßt getrunken. Werden im Herbst auf allen kleinen Märkten verkauft.
Vor allem in der Türkei und besonders in der zentralanatolischen Stadt Kayseri werden die Früchte in Fässern mit Leitungswasser eingelegt. Das Wasser in den Fässern wird alle 2 Wochen einmal ausgetauscht. Nach gut einem Monat sind die eingelegten Beeren "reif" und werden dann vor allem im Sommer ausgepresst und mit Wasser und Zucker zu einem wohlschmeckenden Erfrischungsgetränk "Gilaboru" vermischt. Dem Getränk Gilaboru wird auch heilende Wirkung bei Nierensteinen nachgesagt.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Die Rinde wird bis heute als krampflösendes Mittel, insbesondere bei Menstruationsbeschwerden, arzneilich verwendet. Die Früchte sind gekocht für Marmelade oder Gelee verwendbar. In Teilen Osteuropas werden die reifen „Beeren“ auch roh gegessen.

Sonstiges

Die deutsche Bezeichnung Schneeball dürfte seit dem 17. Jh. gebräuchlich sein, da der sterile gefüllte Schneeball mit ballförmigen Blütenständen (V. opulus 'Roseum') erst um 1594 entstand. Vorher waren zutreffendere Namen geläufig: Herzbeere (wegen der herzförmigen Samen), Glasbeere (wegen der glasig wirkenden Früchte), Blutbeere (wegen des roten dickflüssigen Fruchtsaftes) und Wasserholder, weil der Gewöhnliche Schneeball gern am Wasser wächst und seine Blüten den Blüten des Holunderstrauches ähneln.

Deutschlands Flora in Abbildungen (1796)Carl Axel Magnus Lindman: Bilder ur Nordens Flora (1901-1905)

Literatur

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