Große Brennnessel - Urtica dioica

Familie: Urticáceae - Brennesselgewächse
Steckbrief | Systematik
Kategorie: Heilpflanze Faserpflanze Teepflanze Wildgemüse Ackerwildkraut Allergiepflanze Staude Nüsse Räucherpflanze Alpenpflanze

<b>Große Brennnessel - <i>Urtica dioica</i></b>
Große Brennnessel - Urtica dioica
Bildquelle: © Dr. med. Frank Meyer, Nürnberg, www.fb.com/magischen11 - All rights reserved

Urtica: lat. uro = ich brenne; "Brennessel"
dioicus: zweihäusig, getrennt­geschlecht­lich

Früher wurden gelegentlich Butter, Fisch und Fleisch in Brennnesselblätter gewickelt, um sie länger frisch zu halten. Tatsächlich wirken einige Inhaltsstoffe der Brennnessel antibakteriell. Diese Praxis ist sogar gerichtsnotorisch: 1902 wurde eine Berliner Milchhändlerin auf Grund der Brennnesselblätter in ihrer Milch wegen Lebensmittelverfälschung angeklagt. Mit der Begründung, dass dies ein „allgemein geübtes Verfahren“ sei, wurde die Händlerin jedoch freigesprochen. In einigen Ländern Mitteleuropas werden Brennnesseln als Konservierungs-und Geschmacksstoff häufig als Zutat für Brennnesselkäse verwendet.

Große Brennnessel - Urtica dioica; Bildquelle: © <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Dr. med. Frank Meyer, Nürnberg, <a target=_blank href=http://www.fb.com/magischen11>www.fb.com/magischen11</a>">Dr. med. Frank Meyer, Nürnberg, <a target=_blank href=http://www.fb.com/magischen11>www.fb.com/magischen11</a></a> - <b>All rights reserved</b>Große Brennnessel - Urtica dioica; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Prof. Dr. Otto Wilhelm Thom Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany">Prof. Dr. Otto Wilhelm Thom Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/publicdomain/deed.de" target=_blank title="Public Domain">Public Domain</a>; Große Brennnessel - Urtica dioica; Bildquelle: © <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Bönisch 2008">Bönisch 2008</a> - <b>All rights reserved</b>Große Brennnessel - Urtica dioica; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Ies">Wikipedia User Ies</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; <br>Wiki Commons Bildbeschreibung: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Urtica_dioica05_ies.jpg" target=_blank title="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Urtica_dioica05_ies.jpg">https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Urtica_dioica05_ies.jpg</a>Große Brennnessel - Urtica dioica; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Ies">Wikipedia User Ies</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>; <br>Wiki Commons Bildbeschreibung: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Urtica_dioica19_ies.jpg" target=_blank title="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Urtica_dioica19_ies.jpg">https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Urtica_dioica19_ies.jpg</a>

Die Große Brennnessel ist eine Pflanzenart in der Familie der Brennesselgewächse (Urticaceae. Die mehrjährige krautige Pflanze (Staude) kann bis zu 300 cm hoch werden. Sie ist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch)und wird durch den durch den Wind bestäubt. Eine vegetative Verbreitung erfolgt durch Rhizome. („Wurzelstöcke“).

Der aufrechte, unverzweigte oder verzweigte Stängel ist stark kantig und hat einen Durchmesser von 3 bis 5 Millimetern. Neben den kieselsäurehaltigen Brennhaaren ist sie zusätzlich mit kurzen, grauen Borstenhaaren und am Stängel und den Blattstielen mit Flaumhaaren besetzt. Die Blätter stehen gegenständig, die Blattstiele sind in der Regel weniger als ein Drittel so lang wie die herzförmige, zugespitzte Spreite. Diese ist matt, oberseits dunkelgrün und unterseits behaart, zwischen 6 und 20 Zentimeter lang und 2 bis 13 Zentimeter breit. Der Blattrand ist gesägt, selten doppelt gesägt.

Die linealisch-pfriemlichen Nebenblätter sind frei, der Blütenstiel meist kürzer als der Blütenstand, eine Rispe. Die disymmetrischen Blüten mit 4 Blütenblättern sind unscheinbar grünlich oder bräunlich. Die männlichen Blüten sind aufrechtstehend, das Perigon bis zur Mitte gespalten, der Zipfel am Ansatz am breitesten. Die weiblichen Blüten hängen oder sind zurückgebogen, die äußeren Blütenhüllblätter linealisch bis schmal spatelförmig oder lanzettlich und 0,8 bis 1,2 Millimeter lang, die inneren Blütenhüllblätter eiförmig bis breit eiförmig, 14 bis 1,8 Millimeter lang und 1,1 bis 1,3 Millimeter breit. Der Fruchtknoten ist oberständig.Die Frucht ist eine eiförmige bis breit-eiförmige Nussfrucht, 1 bis 1,3 (selten bis 1,4) Millimeter lang und 0,7 bis 0,9 Millimeter breit. Die Samen haben eine TKM von 0,14 Gramm und sind frostkeimend.



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Standort

Die Pflanze ist ein typischer Stickstoffzeiger und wurde durch die Eutrophierung und Entwässerung von Auwäldern und besonders im Saumbereich der Wälder oft übermäßig stark gefördert.

Verbreitung/Vorkommen

Die Große Brennnessel ist überall auf der Nordhalbkugel abseits der Tropen und arktischer Regionen heimisch.

Giftigkeit

Die Brennhaare weisen an der Spitze eine winzige Nadel auf, die bei Berührung abbricht. Die Kanten durchdringen die Haut des Berührenden ohne weiteres und sogleich fließen Ameisensäure, Histamin, Serotonin, Acetylcholin und eine weiter nicht identifizierte Substanz, die sich in einem Behälter am Grunde des Haares befinden und brennende Schmerzen verursachen, in die "Wunde". Weidetiere halten daher stets einen respektvollen Abstand zu der Pflanze. Beim Menschen genügen schon kleinste Mengen (etwa ein zehnmillionstel Gramm), um eine Hautreaktion auszulösen.

Inhaltsstoffe

Relativ viel Vitamin C und Provitamin A.
Caffeoyl-Chinasäuren, z.B. Caffeoyl-Äpfelsäure.
Bis zu 20% Mineralsalze, vor allem Calcium , Eisen, Magnesium - und Kaliumsalze und Nitrat.
Gerbstoffe wie Kiesel- und Ameisensäure
Chlorophyll
Wachs und ätherische Öle
beta-Sitosterin
2-4x mehr Eisen als in entsprechender Menge Rindfleisch
doppelt so viel Eisen wie in Spinat
Calcium (6x mehr als in Milch)
Vitamin C (300mg/100g)
Vitamin A
Kalium, Magnesium und Natrium
7g/100g Eiweiß
Acetylcholin
biogene Amine: Histamin, Serotonin als Bestandteil des Nesselgiftes.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Die Brennnessel zählt zu den am besten untersuchten Arzneipflanzen:
Eine diuretische (harntreibende) und entzündungshemmende, sowie antirheumatische Wirkung konnte in klinischen Studien nachgewiesen werden. Die harntreibende Wirkung ist vor allem auf den hohen Gehalt an Kaliumsalzen zurückzuführen.
Die Wurzel gilt als wirksames Mittel bei einer benignen Prostatahyperplasie (BPH). Die Prostata wird entstaut, wodurch das Urinieren leichter fällt. Hierbei spielt der Wirkstoff beta-Sitosterin eine große Rolle. Eine Vielzahl von Harnwegserkrankungen werden mit Brennnesselpräparaten behandelt.

Schmerzlindernd, adstringierend und entzündungshemmend wirken vor allem Caffeoyl-Chinasäuren. In der Medizin werden diese Eigenschaften zur Linderung von Arthroseschmerzen und Gelenkrheumatismus genutzt.
Desweiteren dem werden Brennnesseln therapeutisch bei Erkrankungen der Atmungsorgane und Magen-Darm-Katarrh mit Kolikschmerzen eingesetzt.

In der Volksmedizin wird die Brennnessel zur Anregung des Milchflusses bei Stillenden, bei Wechseljahrsbeschwerden, bei Hautausschlägen und Haarausfall, , Allergien, Osteoporose und sowie bei Blutarmut und Erschöpfung eingesetzt. In Milch gekochte Wurzeln werden sogar bei Ruhr und Durchfall empfohlen. Durch ihren recht hohen Vitamin C-Gehalt kam die Brennnessel auch zur Bekämpfung und Vorbeugung von Skorbut als Brennnesselspinat zum Einsatz.

Im Zweiten Weltkrieg noch sollen Brennnesseln zum Verbinden infizierter Wunden verwendet worden sein, um den Heilungsprozess zu fördern. Eine Kur mit Brennnesselsaft soll auch bei Blutarmut helfen.

Verwendung in Homöopathie/Anthroposophie

Kommission C* (s. Quellen):... Dynamisierung des aufbauenden Stoffwechsels bei geschwächter Atmungsorganisation, z.B. bei Hypotonie, Varikosis, Hämorrhoiden, Pruritus, besonders in der Gravidität; urticariellem Exanthem; Anämien bei Eisenverwertungsstörungen, verzögerter Rekonvaleszenz.


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Preis:



Große Brennnessel - Garten/Anbau

Lichtanspruch: Halbschatten; Licht;
Boden Beschaffenheit: +/- humoser Boden; kalkhaltiger / kalkreicher Boden; lehmiger Boden / Lehmboden; toniger Boden / Tonboden;
Boden PH-Wert: mild; neutral;
Boden Feuchte: feucht;
Boden Nährstoffgehalt: nährstoffreich;

Für den gezielten Nutzanbau von Brennnesseln erfolgt im Mai entweder eine Aussaat oder die Pflanzung von Rhizomen bzw. vorgezogenen Jungpflanzen in das Freiland. Die Brennnessel kann ein- oder mehrjährig angebaut werden. Sollen die Blätter verwendet werden, erfolgt die Ernte mit Schneidladern während der Vollblüte der Pflanzen zwischen August und Oktober. Beim Anbau zur Fasergewinnung muss mit der Ernte bis zum Blühende abgewartet werden. Pro Hektar Anbaufläche lassen sich zwischen 20 und 40 t Feuchtmasse (FM) bzw. 2,5 bis 4 t Droge erzielen.

Sonstige Verwendung

Die Große Brennnessel war bis ins 18. Jahrhundert wegen ihrer Bastfasern eine wichtige Faserpflanze, vorzüglich geeignet beispielsweise für feste Stoffe, Netze oder Stricke, geriet aber wegen ihrer mangelnden industriellen Verarbeitbarkeit ins Vergessen. Eine in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gezüchtete Konvarietät mit hohem Faseranteil, die Fasernessel Urtica dioica convar. fibra, wurde im Rahmen des neu erwachten Interesses an alternativen Faserpflanzen in den 1990ern wiederentdeckt und züchterisch weiterbearbeitet. In Deutschland wird unter anderem diese Fasernessel heute im Vertragsanbau für die Firma Stoffkontor in Lüchow kultiviert, die die Fasern zur Textilherstellung nutzt. Ein finnisches Projekt nutzt zu diesem Zweck reine Wildtypen.

Aus den Samen kann ein wertvolles Öl gewonnen werden.

Sonstiges

Die Brennnesselsamen wurden frisch oder getrocknet als Potenzmittel verwendet.

Literatur




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Bildquellenverzeichnis



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