Westamerikanischer Fuchsschwanz - Amaranthus blitoides

Familie: Amaranthaceae
Steckbrief | Systematik
Kategorie: Getreidepflanze Neophyt

<b>Westamerikanischer Fuchsschwanz - <i>Amaranthus blitoides</i></b>
Westamerikanischer Fuchsschwanz - Amaranthus blitoides
Bildquelle: Wikipedia User Stefan.lefnaer; Bildlizenz: CC BY 4.0;
Wiki Commons Bildbeschreibung: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Amaranthus_blitoides_sl9.jpg


Amaranthus: gr. a-maraino = ich verwelke nicht, anthos = Blüte (Far­be der Blüten bleibt n. d. Verblühen erhalten); "Fuchs­schwanz"

andere Namen: Amarant

Amarant zählt zu den ältesten Nutzpflanzen der Menschheit. Genutzt werden vor allem die Samen der an Hirse erinnernden Körner. Bereits bei den Azteken, Inka (Amaranthus caudatus vorwiegend Kiwicha benannt, diese Bezeichnung wird heute noch in der Andenregion verwendet) und Maya waren die getreideähnlichen Körner neben Quinoa und Mais ein Hauptnahrungsmittel. In fast 9000 Jahre alten Gräbern in Mexiko wurden Samen dieser Pflanzen nachgewiesen.

Westamerikanischer Fuchsschwanz - Amaranthus blitoides; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Stefan.lefnaer">Wikipedia User Stefan.lefnaer</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung 4.0 International (CC BY 4.0)">CC BY 4.0</a>; <br>Wiki Commons Bildbeschreibung: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Amaranthus_blitoides_sl10.jpg" target=_blank title="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Amaranthus_blitoides_sl10.jpg">https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Amaranthus_blitoides_sl10.jpg</a>Westamerikanischer Fuchsschwanz - Amaranthus blitoides; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User SB Johnny">Wikipedia User SB Johnny</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>;

Der Westamerikanische Amarant ist eine einjährige krautige Pflanze, deren Stängel niederliegend bis aufsteigend und vom Grund an reich verzweigt sind und Längen von (0,1 bis) 0,2 bis 0,6 (bis 1) m erreichen. Der Stängel ist weißlich gefärbt, weich und nicht verholzt; er kann oberwärts flaumig behaart sein oder auch kahl. Die Laubblätter sind gestielt, der Blattstiel ist etwa halb so lang wie die dunkelgrüne Blattspreite. Diese ist verkehrt-eiförmig, elliptisch oder spatelig und misst 1 bis 2 (bis 4) × 0,5 bis 1 (bis 1,5) cm. Der Grund ist keilförmig, die Ränder sind meist ganz, flach oder selten leicht gewellt, mit schmalem weißem knorpeligem Saum, die Spitze ist stumpf bis gerundet (aber nicht ausgerandet) und kurz stachelspitzig.

Die Blüten sind getrenntgeschlechtig, sitzen aber auf derselben Pflanze (einhäusig) Sie sitzen gedrängt in blattachselständigen, knäuelförmigen Blütenständen. Die Vorblätter der weiblichen Blüten sind schmal, dünn und mit 1,5 bis 5 mm Länge etwa gleich lang oder etwas länger als die (drei bis) vier bis fünf Perigonblätter. Diese sind schmal eiförmig bis breit linealisch, 1,5 bis 3 mm lang und mehr oder weniger ungleich, dünn und spitz bis zugespitzt. Die Griffeläste stehen auseinander. Es sind drei Narben vorhanden. Die männlichen Blüten sitzen gemischt unter den weiblichen; sie besitzen drei (seltener vier) Perigonblätter und drei Staubblätter.

Die regelmäßig aufreißenden Deckelkapseln sind breit eiförmig, mit 1,7 bis 2,5 mm gleich lang wie die Perigonblätter und meist glatt, in getrocknetem Zustand jedoch etwas warzig oder runzelig. Die schwarzen, ziemlich matten Samen sind linsenförmig bis breit linsenförmig und besitzen einen Durchmesser von 1,3 bis 1,6 mm.

Von dem formenreichen Amaranthus blitum ist die Art an dem bis zur Spitze beblätterten, nicht abgesetzten Blütenstand und den an der Spitze nicht ausgerandeten Laubblättern unterscheidbar. Die meisten anderen ähnlichen Arten besitzen nur zwei bis drei Blüten (Perianth-)Blätter. Alle ähnlichen, für eine mögliche Verwechslung in Frage kommenden Arten werden in Hügin (1987) behandelt.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 32.

Ökologie

Der Westamerikanische Fuchsschwanz ist ein Sommer- und Herbstblüher; in Mitteleuropa reicht die Blütezeit von Juli bis Oktober. Befruchtung erfolgt wohl überwiegend durch Selbstbestäubung, die unscheinbaren Blüten wirken nicht anlockend auf Bestäuber. Die Samen besitzen keine auffallenden Verbreitungseinrichtungen und können aufgrund ihres Gewichts nur wenige Meter vom Wind verbreitet werden, sie werden wohl überwiegend durch Tiere (oder durch den Menschen) verschleppt; sie überstehen die Darmpassage, keimfähige Samen konnten z. B. im Dung von Schafen nachgewiesen werden. Sie können mehrere Jahre überleben und bauen im Boden eine permanente Samenbank auf. Die Samen keimen vom späten Frühjahr bis zum Spätsommer (Wärmekeimer), bevorzugt erst bei Temperaturen über 25 °C. Die Pflanze blüht und fruchtet im selben Jahr, sie ist nicht frosthart, der Stängel schrumpelt und zerfällt beim ersten Frost.

Der Westamerikanische Fuchsschwanz ist eine Wirtsart der parasitischen Quendel-Seide (Cuscuta epithymum).


Standort

In Nordamerika kommt der Westamerikanische Fuchsschwanz an gestörten Standorten wie Straßenrändern, Flussufern, Eisenbahntrassen, Äckern, Brachland und Sandflächen bis zu einer Meereshöhe von 2200 m vor. Ausgehend von Bahn- und Hafenanlagen besiedelt er in Mitteleuropa ähnliche Standorte. Im pflanzensoziologischen System ist er in Deutschland Charakterart der Assoziation Eragrostio-Amaranthetum blitoidis, das zum Verband Salsolion ruthenicae und zur Ordnung Sisymbrietalia gehört. Der Westamerikanische Fuchsschwanz benötigt stickstoffreiche, nicht zu trockene, offene Böden und ist nicht schattentolerant.

Verbreitung/Vorkommen

Der Westamerikanische Fuchsschwanz ist fast in ganz Nordamerika verbreitet (nicht, wie der deutsche Trivialname nahelegen würde, nur im Westen). Sie kommt in den gesamten USA mit Ausnahme des äußersten Südens (Florida und Süden von Texas) vor, in Kanada nur in den südlichen Provinzen, wo sie vermutlich erst mit dem Eisenbahnbau eingeschleppt wurde.
Er ist fast weltweit in alle Regionen mit subtropischem oder warmtemperatem Klima verschleppt worden. Nach Mitteleuropa wurde er, vermutlich mit Warentransporten, eingeschleppt. Obwohl Funde seit etwa 100 Jahren in Häfen und an Baumwollspinnereien vorliegen, kam er zunächst nur unbeständig vor. Tatsächlich eingebürgert ist die Art wohl erst seit den 1980er Jahren, z. B. seit 1984 in Frankfurt. Fundnachweise in Deutschland zeigt die Verbreitungskarte bei Floraweb.

Verwendung in der Küche

Die Samen von Amaranthus blitoides wurden vom Volk der Zuñi geerntet und zu Mehl zermahlen, ähnlich dem bekannteren und länger genutzten Kiwicha Südamerikas.

Allgemein:
Amarant ist ein Pseudogetreide. Es sieht zwar aus wie Getreide und seine Samen werden auch so verwendet, aber es ist kein Getreide. Amarant ist glutenfrei. Dies macht es zu einem vollwertigen und verträglichen Getreideersatz bei der weit verbreiteten Glutenunverträglichkeit (Zöliakie). Zudem ist der hohe Eisengehalt wertvoll bei Eisenmangelanämie und während der Schwangerschaft.

Die Blätter aller Amarantarten werden als Gemüse gegessen. Die Samen des Rispenfuchsschwanzes werden ähnlich wie Getreide verwendet.

Die Nahrungsmittelindustrie verwendet Amarant heute in der Baby- und Kindernahrung, als Zumischung in Brot, Gebäck und Müsli, bei Eierkuchen und Pasta, auch in Wurstwaren sowie im Fast-Food-Bereich bei Riegeln und Snacks. Es gibt auch Versuche zur Herstellung von Getränken auf Basis von Amarant, unter anderem zum Brauen von glutenfreiem Bier.

Amarant entfaltet beim Kochen seinen typisch nussigen Geruch. Der Verzehr kann im Müsli oder zu Grütze gekocht als Beilage erfolgen. Amarantmehl eignet sich nur begrenzt zum Backen. Der Naturkosthandel führt Amarantkörner pur oder als Zutat (auch gepoppt) in Müslimischungen.

Inhaltsstoffe

Amarant hat einen weit höheren Eiweiß- und Mineralstoffgehalt als die weltweit traditionell angebauten Getreidesorten. Die Proteine bestehen aus vielen essenziellen Aminosäuren, der Gehalt an Calcium, Magnesium, Eisen und Zink ist sehr hoch. Kohlenhydrate und Ballaststoffe sind in gleich großen Mengen vorhanden. Bei dem enthaltenen Fett handelt es sich zu ca. 70 % um ungesättigte Fettsäuren. Die Inhaltsstoffe sind nicht nur in großen Mengen enthalten, sondern in einem für die menschliche Ernährung sehr günstigen Verhältnis kombiniert.

Allerdings enthält Amarant bestimmte Gerbstoffe, die die Aufnahme und Verdauung von Vitaminen, Proteinen sowie Spurenelementen hemmen. Für Kleinkinder und Säuglinge ist Amarant deshalb nicht zu empfehlen.
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Westamerikanischer Fuchsschwanz - Garten/Anbau

Lichtanspruch: Halbschatten;
Boden Beschaffenheit: sandiger Boden / Sandboden;
Boden Feuchte: feucht; frisch;

Amarant ist weitgehend anspruchslos an den Boden. Er kommt mit relativ wenig Wasser aus. Er verwildert leicht und gilt auch als Zierpflanze.

Sonstige Verwendung

In Äckern tritt der Westamerikanische Amarant eher selten auf, er besitzt als Unkrautart relativ geringe Bedeutung, kann aber in Hackfruchtkulturen, unter Baumfrüchten und in Gärten auftreten. Die Art hat gegen eine Reihe handelsüblicher Herbizide Resistenzen entwickelt.

Sonstiges

Die Spanier verboten im 16. Jahrhundert den Anbau von Amarant unter Androhung der Todesstrafe, aufgrund der starken religiösen Bedeutung von Amarant, unter anderem im Rahmen einer kommunionsähnlichen Zeremonie (bei der auch Menschenblut zur Anwendung kam), im Zusammenhang mit einem Fest zu Ehren des Aztekengottes Huitzilopochtli. Diese Maßnahme trug zur allgemein schlechten Versorgungslage bei und ist daher mitverantwortlich für den Tod von Millionen Indios. Nach dem Verbot geriet die Pflanze für Jahrhunderte fast völlig in Vergessenheit.

Literatur

Bildquellenverzeichnis



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