Monte Baldo-Segge - Carex baldensis

Familie: Cyperaceae
Steckbrief | Systematik
Kategorie: Alpenpflanze Sauergräser

<b>Monte Baldo-Segge - <i>Carex baldensis</i></b>
Monte Baldo-Segge - Carex baldensis
Bildquelle: Wikipedia User Marcobarci; Bildlizenz: CC BY-SA 3.0;
Wiki Commons Bildbeschreibung: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Carex_baldensis_female_flowers.jpg


Carex: lat. carex = Riedgras; "Segge"

Die Gattung Carex ist außerordentlich formen- und artenreich. Sie umfasst momentan mindestens 150 zum Teil schwer unterscheidbare Arten bzw. Unterarten und Übergangsformen, die nur mit spezieller Literatur zu bestimmen sind.

Monte Baldo-Segge - Carex baldensis; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Deutschlands Flora in Abbildungen 1796">Deutschlands Flora in Abbildungen 1796</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/publicdomain/deed.de" target=_blank title="Public Domain">Public Domain</a>; Monte Baldo-Segge - Carex baldensis; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Wikipedia User Daderot">Wikipedia User Daderot</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/publicdomain/deed.de" target=_blank title="Public Domain">Public Domain</a>;

Die Monte-Baldo-Segge (Carex baldensis) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Seggen (Carex) innerhalb der Familie Sauergrasgewächse (Cyperaceae). Dieser sehr seltene, aber weitgehend ungefährdete Endemit gedeiht in den Zentral- und Ostalpen auf felsigen Standorte. Kennzeichnend sind seine vielfach reinweißen Blütenstände. Als einzige Seggen-Art wird Carex baldensis außer vom Wind teilweise auch von Käfern bestäubt. Sowohl der deutsche Trivialname als auch das Artepitheton baldensis nimmt Bezug auf einen seiner Wuchsorte in Italien, den Bergrücken am Gardasee namens Monte Baldo.

Die Monte-Baldo-Segge ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen zwischen 10 und 40 Zentimetern, zuweilen bis zu 65 Zentimetern erreicht. Sie bildet ohne Ausläufer lockere bis dichte Rasen. Der glatte, undeutlich dreikantige Stängel wächst steif aufrecht und ist ausschließlich am Grunde beblättert. Die graugrünen, starren und gedrängt stehenden Laubblätter sind zwischen 2 und 4 Millimeter breit. Sie sind flach oder zusammengefaltet, an den Rändern rau und an der Spitze eingerollt.

Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis Juli. Die Monte-Baldo-Segge ist einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch). Der endständige, köpfchenartigeBlütenstand ist bis zu 2,5 Zentimeter lang und misst im Durchmesser 1 bis 2,5 Zentimeter. Der Blütenstand trägt an der Basis zwei bis fünf bis zu 10 Zentimeter lange und waagerecht abstehende oder zurückgeschlagene Hüllblätter. Er verfügt über drei bis neun dicht gedrängt stehende weißliche Ährchen. Diese sind alle gleich gestaltet. Die etwa 1 Millimeter breiten und 4 Millimeter langen, eiförmigen und vielblütigen Ährchen tragen am Grund weibliche und an der Spitze männliche Einzelblüten. Die weißlichen bis gelblichen, dreinervigen Spelzen sind länglich dreieckig bis eiförmig geformt, laufen spitz zu und tragen einen grünen Kiel. Die männlichen Blüten verfügen über drei Staubblätter. Die weiblichen Blüten sind mit einem dreinarbigen Fruchtknoten ausgestattet. Die 4 bis 5 Millimeter langen, ungeschnäbelten Fruchtschläuche (Utriculi) sind weiß bis gelbbraun, länglich und stumpf dreikantig. Sie sind kürzer als die Spelzen und vielnervig. Die Frucht ist im Umriss eiförmig, scharf dreikantig und hat konkave Seitenflächen.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 90, seltener 88.

Die Monte-Baldo-Segge ist ein Hemikryptophyt oder Geophyt. Sie ist wie alle anderen Vertreter der Familie der Cyperaceae windblütig, wird jedoch als einzige Segge teilweise auch von Käfern bestäubt.


Standort

Die Monte-Baldo-Segge besiedelt sonnige, wasserdurchlässige Steinrasen mit geringer Schneebedeckung und früher Schneeschmelze ab etwa Mai auf Kalk- und Dolomitschutt steiniger, trockener Abhänge und Weiden sowie offene lockerrasige, heidekrautreiche Berg-Kiefernwälder und Legföhrengebüsche. Besonders gesellig ist sie im Waldgrenzbereich zu finden. Carex baldensis ist eine Kennart der Pflanzengesellschaft des Blaugras-Horstseggen-Rasens (Seslerio-Caricetum sempervirentis), kommt aber auch im Erika-Bergföhrenwald (Erico-Pinetum montanae) und in Flaumeichenwäldern (Quercion pubescenti-petraeae) vor. Ihr Schwerpunkt liegt auf trockenen bis mäßig frischen, kalkreichen, humosen, stickstoffarmen bis -ärmsten Steinböden (Dolomit).

Die Monte-Baldo-Segge ist eine Halblicht- bis Volllichtpflanze sowie ein Kühlezeiger. Seine ökologischen Zeigerwerte nach Ellenberg sind L (Lichtzahl) = 8, T (Temperaturzahl) = 3, K (Kontinentalitätszahl) = 5, F (Feuchtezahl) = 4, R (Reaktionszahl) = 8, N (Stickstoffzahl) = 3, S (Salzzahl) = 0.

Verbreitung/Vorkommen

Die Monte-Baldo-Segge hat ihren Verbreitungsschwerpunkt in Italien zwischen dem Comer- und dem Gardasee, reicht ostwärts bis ins Val Sugana in den Dolomiten und südwärts bis Lessini (Venetien) und in die Grigna (Lombardei). Wenige weitere Fundstellen liegen in den Zentralalpen in der Schweiz, ferner in Nordtirol (Österreich) und in Bayern in den Nördlichen Kalkalpen. Die Art ist in der Schweiz auf ein Gebiet von 6 mal 4 km im Unterengadin beschränkt. In Deutschland kommt sie nur mit wenigen, vom Hauptareal völlig isolierten Vorposten in den Ammergauer Alpen und im Loisachtal vor, an das sich die Vorkommen in Nordtirol anschließen.

Die Monte-Baldo-Segge kommt in der Schweiz in der subalpin(-alpin) Höhenstufe in Höhenlagen von 2000 bis 2400 Metern, in Österreich zwischen 800 und 1500 Metern, in Italien auch kollin bis montan beispielsweise am Comersee ab etwa 70 Metern vor.
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Monte Baldo-Segge - Garten/Anbau

Lichtanspruch: Licht;
Boden Beschaffenheit: +/- humoser Boden; kalkhaltiger / kalkreicher Boden; lehmiger Boden / Lehmboden; steiniger Boden / Kies / Grus;
Boden PH-Wert: mild;
Boden Feuchte: mäßig frisch;

Sonstiges

Die Monte-Baldo-Segge wird in der IUCN 1998 für Europa und damit weltweit als gefährdet eingestuft und gilt weltweit als selten. Ihre Bestände sind in seinem norditalienischen Hauptareal zur Zeit aber weitgehend ungefährdet. In Deutschland wurden 1996 ihre Bestände in der bundesweiten Roten Liste als „extrem selten“ (R) eingestuft, gelten aber nicht als unmittelbar gefährdet, in der bayerischen Roten Liste von 2003 allerdings als stark gefährdet (2). Auch in der Schweiz galten die Bestände dieser Art als potenziell gefährdet, wurden aber auf gefährdet (vulnerable) heraufgestuft. In Österreich ist sie sehr selten und gilt als potentiell gefährdet. Sie ist in Deutschland nach der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) besonders und auch nach der schweizerischen Artenschutzverordnung (ASchV) vollständig geschützt.

Literatur

Bildquellenverzeichnis



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