Stinkender Storchschnabel - Geranium robertianum

Familie: Geraniáceae - Storchschnabelgewächse (Geraniengewächse)
Steckbrief | Systematik
Kategorie: Heilpflanze Bauerngarten Alpenpflanze

<b>Stinkender Storchschnabel - <i>Geranium robertianum</i></b>
Stinkender Storchschnabel - Geranium robertianum
Bildquelle: Wikipedia User Amada44; Bildlizenz: CC BY-SA 3.0;

Geranium: gr. geranos = Kranich (Fruchtform wie ein Kranich­schna­bel); "Storchschnabel"

andere Namen: Ruprechtskraut, Stinkstorchschnabel

Die Namensgebung soll auf den heiligen Ruprecht verweisen, den ersten Bischof und Landesheiligen von Salzburg. Er soll die Verwendung des Heilkrauts gelehrt haben. Ebenfalls möglich ist ein Zusammenhang mit dem althochdeutschen Ausdruck r?tpreht (rötlich), der auf die Färbung der Pflanze Bezug nimmt. Bei Tabernaemontanus (1664) wird die Art als Rotlaufkraut bezeichnet, nach der Rotlaufkrankheit, für welche sie ebenfalls als Heilmittel galt.

Stinkender Storchschnabel - Geranium robertianum; Bildquelle: <a href="https://www.pflanzen-deutschland.de/quellen.php?bild_quelle=Franz Olloz, Zullwil CH">Franz Olloz, Zullwil CH</a>; Bildlizenz: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de" target=_blank title="Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)">CC BY-SA 3.0</a>;

Es ist eine ein- oder zweijährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von bis zu 50 cm erreicht. Sie wächst stark verzweigt, ist behaart bis glatt und strömt aufgrund ätherischen Öls einen starken unangenehmen Duft aus. Die drei- bis fünfteiligen handförmigen Laubblätter sind 3 bis 4 cm lang und 3 bis 7,5 cm breit. Die Blattstiele sind 1,8 bis 44 cm lang.

Die paarweise stehenden, kleinen Blüten sind zwittrig, radiärsymmetrisch und fünfzählig. Die fünf Kelchblätter sind 5 bis 7 mm lang. Die fünf rosafarbenen Kronblätter sind doppelt so lang wie die Kelchblätter. Die fünf Nektarien sind ringförmig verwachsen. Die violetten Staubbeutel sind 0,4 bis 0,6 mm lang. Die Narben sind rosafarben.

Die Blütezeit reicht von April bis in den Herbst hinein. Die Blüten sind meist vormännlich und werden vor allem durch Bienen bestäubt.

Die Spaltfrucht ist 1,9 bis 2,3 cm lang.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 64.

Die Art ist einjährig (sommerannuell oder winterannuell) oder eine zweijährige Halbrosettenpflanze. Sie ist sehr schattenverträglich und noch bei 1/25 bis 1/40 des normalen Tageslichts (bei Keimpflanzen sogar noch weniger) lebensfähig. Mit Hilfe der Blattgelenke kann sie die Blattspreiten genau zum größten Lichteinfall hin ausrichten. Dadurch kann sie auch noch in Höhleneingängen wachsen. Andererseits erträgt die Pflanze auch volles Sonnenlicht, wobei sie sich durch Lichtschutzpigmente dunkelrot färbt.

Sie ist ein Spreizklimmer d.h. die Blattstiele der unteren Blätter und z.T. auch die Seitensprosse biegen sich an Blattgelenken nach unten und wirken so als Stütze auf dem Substrat. Das ist u.a. beim Wachsen an Felsen und Mauern vorteilhaft, zumal die Blattstiele auch das Absterben der Blattspreite überdauern.

Die Blüten sind meist vormännliche „Kleine Trichterblumen“, die vor allem von Bienen bestäubt werden; aber auch die Selbstbestäubung ist erfolgreich, indem bei fehlendem Sonnenschein die Blüten durch Krümmung des Blütenstiels nach unten gebogen werden.

Die Früchte sind 5-fächrige Kapseln bzw. Spaltfrüchte. Zur Reife lösen sich die einsamigen, nussartigen Fruchtklappen durch Austrocknung plötzlich von der Mittelsäule ab und werden als Ganzes bis zu 6 m weit fortgeschleudert (Austrocknungsstreuer). Durch Haarstränge an der Frucht ist auch Klettverbreitung möglich



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Neudorff 33409 Igelhaus


Preis: EUR 39,95

Standort

Das Ruprechtskraut ist eine häufig vorkommende Storchschnabelart in Europa, Asien und Nordafrika. Hauptlebensraum sind schattige, stickstoffreiche Standorte, oft auf Geröll. Er ist eine Charakterart des Epilobio-Geranietum robertiani.

Verbreitung/Vorkommen

Es ist im Allgemeinen in den Alpen bis in eine Höhenlage von 1700 Metern zu finden. In den Allgäuer Alpen kommt er aber im Steingeröll zwischen Lechleiten und der Hundskopfalpe sogar bei 1770 m Meereshöhe vor.

Ruprechtskraut wurde auch in andere Klimazonen als Gartenpflanze importiert. So findet man es beispielsweise rund um San Francisco, Kalifornien. Im US-Staat Washington wird es mittlerweile sogar als lästiges Unkraut angesehen. In Nordamerika ist es jedoch nur unterhalb von 100 Höhenmetern zu finden.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Ruprechtskraut wurde in der traditionellen Volksheilkunde als Heilmittel bei Zahnschmerzen, Prellungen, Fieber, Gicht, Nieren- oder Lungenleiden, Herpes und Nasenbluten verwendet. Der Aufguss von der Pflanze wurde als Stärkungsmittel eingesetzt und galt auch als wirksam gegen Durchfall. Auf Wunden aufgelegt sagt man ihm antiseptische Wirkung nach. Aufgrund des eigenartigen Geruchs der zerriebenen Blätter wird es auch als mückenabwehrende Pflanze angesehen.

Verwendung in Homöopathie/Anthroposophie

Geranium robertianum findet auch Verwendung als Wirkstoff in homöopathischen Arzneimitteln. Die zugeschriebenen Wirkungen, besonders gegen Harnwegsinfekte und Durchfall, sind wissenschaftlich jedoch nicht bestätigt.



Stinkender Storchschnabel - Garten/Anbau

Lichtanspruch: Halbschatten; Schatten;
Boden Beschaffenheit: +/- humoser Boden; lehmiger Boden / Lehmboden;
Boden Feuchte: feucht; frisch;
Boden Nährstoffgehalt: nährstoffreich;

Von allen Storchschnabel-Arten wurde wahrscheinlich das Ruprechtskraut als erstes in den Gärten kultiviert. Dies ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass sie häufiger als andere Storchschnabelarten für medizinische Zwecke verwendet wurde. Aufzeichnungen über die "Herba Roberti" gab es bereits im 13. Jahrhundert.

Heute ist das Ruprechtskraut im Garten eher selten, da es attraktivere Storchschnabelarten gibt. Da es jedoch auch von selbst im Garten auftaucht, wird es immer wieder als Zierpflanze geduldet.

Sonstiges

Die Namensgebung soll auf den heiligen Ruprecht verweisen, den ersten Bischof und Landesheiligen von Salzburg. Er soll die Verwendung des Heilkrauts gelehrt haben. Ebenfalls möglich ist ein Zusammenhang mit dem althochdeutschen Ausdruck rotpreht (rötlich), der auf die Färbung der Pflanze Bezug nimmt. Bei Tabernaemontanus (1664) wird die Art als Rotlaufkraut bezeichnet, nach der Rotlaufkrankheit (Erysipel, Wundrose) für welche sie ebenfalls als Heilmittel galt.

Literatur




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Bildquellenverzeichnis



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